A60511D9-4497-44DF-B357-A32BBF37D057Schwyz, 24.06.2021

Bis auf die Tatsache, dass eine enorm lästige Fliege meint, die Nachtruhe schon um fünf Uhr beenden zu müssen und mein Gesicht als Landeplatz nutzen zu können, gibt es nichts auszusetzen. Dieses blöde Vieh lässt sich einfach nicht verscheuchen. Nachdem ich zwei, drei ziemliche Backpfeifen kassiert habe, bin ich richtig wach. Draußen ist schönstes Wetter. (Gestern Abend hat es noch kräftig geregnet)
Ich bleibe noch etwas liegen, geniesse sie Aussicht und mache mich dann fertig.
Gut, dass ich die schöne Aussicht aus dem Schlafzimmerfenster schon genossen habe, denn als ich um viertel vor Acht losgehe, haben sich schon Wolken vor die Berge geschoben. Über und hinter mir hängen jetzt dunkle Regenwolken. Das sieht vielversprechend aus!
Im Coop hole ich mir schnell ein trockenes Brötchen, etwas Milch und eine Banane zum Frühstück.
Im Ortsteil Ibach wandere ich am Haupt- und Gründungssitz der Firma Victorinox vorbei. Hierher stammt also das Produkt, welches wirklich jeder mit der Schweiz verbindet: das Schweizer Taschenmesser. (Fun-Fact: Obwohl es „Swiss Army Knife“ heisst, gehörte es nie zur Ausrüstung der Schweizer Armee)
An einer Panormatafel bei der Zahnwehkapelle nehme ich einen kurzen Soll-/Ist-Abgleich vor (siehe Bild). Hmmm… deutliche Differenzen erkennbar - aber immerhin habe ich keine Zahnschmerzen und bisher regnet es auch noch nicht.
Weiter geht es zum Kloster Ingenbohl welches kurz vor Brunnen leicht erhöht liegt. Für mich gibt es hier nichts zu sehen, so dass ich meine Aufmerksamkeit weiter der schmalen Straße schenke, um nicht von einem der vielen LKWs, die ins nahegelegene, laut ratternde Kieswerk fahren, touchiert zu werden.
Ich erreiche Brunnen, gehe für das Mittagessen einkaufen (aufgrund des Wetters nur Dinge, die man im Gehen essen kann) und gehe bis zur Bootsanlegestelle. Hiermit beende ich offiziell die Durchquerung der Schweiz auf dem Jakobsweg/ViaJacobi auf der Route Genf - Kreuzlingen. Weiter geht es nun (nur noch) auf dem E1.
(Link)
Den Track des heutigen Tages in der Dokumentation ViaJacobi werde ich bei Gelegenheit bereinigen und in Brunnen enden lassen.

Der E1 verläuft bis zum Ende des Sees auf dem mit 99 gekennzeichneten „Weg der Schweiz“.
Der Himmel hat sich leicht aufgeklärt, jedoch soll man den Tag nicht vor dem Abend loben.
Nun geht es hinauf nach Morschach, durch welches schon im 13. Jahrhundert ein Pilger- und Saumpfad über den Gotthard führte.(Damals gab es die tunnelreiche Axenstrasse am See ja noch nicht. Die wurde erst in den 1860ern gebaut. Allerdings nicht ganz so, wie wir sie kennen. Dafür mussten dann noch ein paar hundert Millionen Franken ausgegeben werden. Und die nächste knappe Milliarde(!) ist auch schon verplant).
Später gab es in Rohrschach einige mondäne Hotels, die größtenteils Mitte des 20. Jahrhunderts abgerissen werden mussten. Ende des 20. Jahrhunderts entstand hier ein Ferienresort, von dem ich ausser dem Schwimmbad wenig sehe. Morschach einige mondäne Hotels, die größtenteils Mitte des 20. Jahrhunderts abgerissen werden mussten. Ende des 20. Jahrhunderts entstand hier ein Ferienresort, von dem ich ausser dem Schwimmbad wenig sehe.
Schon während des Aufstiegs nach Morschach beginnt es dauerhaft kräftig zu nieseln. Am Anfang können die Bäume das Meiste noch abhalten, aber dann muss der Poncho doch raus. Kurz darauf werde ich von einem älteren, walkenden Paar angesprochen. Sie sind ehemalige Purser für Lufthansa aus dem Frankfurter Raum, die jetzt ihren Lebensabend in Brunnen verbringen. Könnte ich mir auch vorstellen. So ungefähr ab übernächster Woche.
Durch Morschach hindurch geht es weiter unterhalb der steilen Westflanke des Fronalpstocks bergauf. Kurz bevor ich den höchsten Punkt erreiche, hört es auf zu regnen. Und hier oben ist sogar ein Picknickplatz mit Wasserzapfstelle. Prima!
Trotz des wolkigen Himmels kann ich nun das Ende des Vierwaldstädtersees, oder besser Urnersees, denn so heißt dieser Zipfel, sehen. Auf der gegenüberliegenden Seite liegt Seelisberg in der Sonne. Wie ich hier so stehe und die Topographie betrachte, wird mir die Notwendigkeit eines Seelisbergtunnels bewusst. Was für eine Leistung!
Bald schon kann ich den Ort Sisikon unter mir liegen sehen, zu dem ich jetzt absteige.
Der Abstieg geht ganz schön in die Beine, aber dafür kommt die Sonne ein bisschen raus. Das tut gut!
Jetzt durch das Dorf hindurch und dann am Berghang entlang. Nix Uferpromenade, wie ich mir das vorgestellt habe. Während die Autos im Tunnel verschwinden, darf ich nun auf der alten Autostraße „aussenrum“ und den Kanton Uri betreten.
Nach dem zweiten kurzen Tunnel steht dort tatsächlich eine Bank in der Sonne. Mittagspause!
Mein nasses Hemd, welches sich vermutlich nicht mehr an die gestrige Waschmaschinen-Wäsche erinnern kann, hänge ich zum Trocken auf. Inzwischen ist über mir Bilderbuchwetter. Nun kommt auch noch der Schaufelraddampfer „Uri“ und legt in Sisikon an. Schöner geht’s nicht mehr.
Nach einer extrem lauten Passage durch eine Galerie, bin ich froh, als der Wanderweg zum Seeufer hinab und dann an diesem entlangführt. Er verläuft in stetem auf und ab, wie es die Topographie gerade fordert. Das ist schön, auch wenn es anstrengend ist und mich dem Ziel nur langsam entgegenbringt.
Ein Raddampfer erreicht gleichzeitig mit mir die Haltestelle „Tellsplatte“. Vorbei an der Tellskapelle mit Malereien des berühmten Tellsprungs, führt der Weg zur Tellsplatte hinauf. Zwar liegt sie nicht direkt am Weg - aber der Umweg muss sein. So denke ich, aber als ich oben ankomme, stelle ich fest, dass dies nur ein Restaurant an geschichtsträchtigem Ort ist. Den Tellsprung selbst, habe ich schon an der Kapelle am See gesehen. Auch dieser scheinbar sinnlose Umweg hat etwas Gutes, denn so erreiche ich das von der schweizer Schokoladenindustrie gestiftete mächtige Glockenspiel gerade, als es beginnt. Das Gute in dem kurz darauf einsetzenden Regen zu erkennen, fällt mir da schon schwerer.
Nach weiteren Galerien und einem Tunnel (Hölle! Ich bin jetzt taub!), dem auch mit lautem Singen der Schrecken nicht genommen werden kann, liegt Flüelen vor mir und ich kann das Ende des Tals erahnen. Man kann es nur über den Klausen- oder Gotthardpass verlassen.
Das Zimmer im privaten B&B ist sehr gross und mit Wasserkocher und Kühlschrank gut ausgestattet. Ich gehe also noch in den Ort, um mir Tee und Milch zu besorgen und komme mit dem kompletten Abendessen zurück. Es war doch weiter, als gedacht. Immerhin spart das den Pizza-Service. Das Restaurant direkt nebenan hat geschlossen und am Abend nochmal durch den Regen zu tapsen, finde ich wenig verlockend.
Anschließend nehme ich tatsächlich ein Bad in der Whirlpool-Badewanne, während der Regen auf das Dachfenster tropft. Ja - ist ganz nett - brauche ich aber nicht öfter. Alle etwas größeren Menschen kennen das Problem: egal, wie man die Beine faltet, man bekommt nicht den ganzen Körper unter Wasser. Und über Wasserverbrauch sprechen wir auch lieber nicht.
Insgesamt ist die Unterkunft „VIP Appartments San Marco“ das absolute Gegenteil zu den Zimmern im Kloster Einsiedeln. Denn hier gilt „mehr Schein als Sein“. Mit viel Schnickschnack wird der Anschein erweckt, etwas hochwertiges vor sich zu haben. Auf Fotos wirkt das auch. Zum Glück hatte ich das schon vermutet.
Das Bad tat jetzt dennoch gut und ich hoffe, dass die Nacht ruhig ist.
Fazit: Ganz schön nass und laut heute - aber es hätte schlimmer sein können.

Länge Auf Ab
22.2 km 651 Hm 728 Hm


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