IMG_6074Bretten, 07.09.2019

Da es im Hotel kein Frühstück gibt, "bastele" ich mir ein Frühstück beim Netto in der Fussgängerzone. Dort gibt es witzigerweise im Kassenbereich einen Tisch mit zwei Stühlen, der vermutlich dazu gedacht ist, dass sich ältere Leute mal kurz ausruhen können. Oder eben ich frühstücken.
Gut erholt wandere ich vor mich her. Es ist der letzte Tag und ich bin in Gedanken schon wieder bei dem, was wohl ab Montag auf der Arbeit anliegen wird. Ich hätte wirklich Lust, weiter zu wandern und überlege mir, was wirklich passieren würde, wenn ich es täte....
Nicht nur ich bin traurig - nein, auch der Himmelt beginnt gegen Mittag zu weinen, so dass ich erstmals auf der Wanderung meinen Schirm auspacke. Ich weiss nicht, was ich von Pforzheim erwartet habe, jedoch kann ich der Stadt -zumindest auf der Route, die der E1 nimmt- nicht so viel positives abgewinnen.
Als ich am Bahnhof ankomme, ist da genau NULL Freude, angekommen zu sein. Der Weg zählt - nicht das Ziel.
Die Bahn wird ihrem Ruf gerecht, denn es herrscht ein Riesen-Chaos mit verspäteten Zügen und falschen Durchsagen. Ich komme mit einer betagten Ordensschwester ins Gespräch, die ins Elsass zurückfahren will und sich mit ihrem Gepäck ganz schön was zugemutet hat. Sie ist glücklich, als ich ihr Gepäck in den Zug bringe und sie dann auch in Karlsruhe noch zum richtigen Gleis begleite. Als ihr Zug kommt, "beauftrage" ich dann noch einen anderen Fahrgast, ihren Koffer mit in den Zug zu nehmen. Er spricht zwar kein Wort einer gängigen Sprache, versteht jedoch ganz genau, was von ihm erwartet wird. Diese Begegnung war definitiv das Highlight des heutigen Tages.
Die Fahrt nach Frankfurt und Oberursel verläuft zwar verspätet, aber ansonsten problemlos.
Die Weiterwanderung nach Süden ist mein festes Ziel - ich hoffe, das im "Kurz-Sabbatical" 2021 in Angriff nehmen zu können.

 

Länge Auf Ab
25.1 km 534 Hm 437 Hm

IMG_6056Gochsheim, 06.09.2019

Heute ist also fast ein Ruhetag. Da ich weiss, dass ich nur 12 km zu laufen habe, gehe ich die Sache ganz locker an. Ich mache gleich mal eine längere Pause und geniesse die Sonne und beobachte, wie der Wind durch ein Maisfeld bläst. Total entspannend, wenn man dem Rascheln der Blätter zuhört. Schon fast meditativ.
Bei Büchig treffe ich auf einen älteren Herrn, der Tafeln mit Gedichten, die dort am Wegesrand stehen, reinigt. Wir unterhalten uns ein bisschen und er erzählt, dass dies ein neuer Rundweg mit Gedichten von Heimat-Dichtern ist. Die meisten Gedichte sind von ihm selbst. Ich versuche, mir den Inhalt einiger Gedichte zu erschliessen. Mal mit mehr - mal mit weniger Erfolg.
Schon recht früh komme ich in Bretten an und geniesse den schönen Nachmittag in einem Park. Gutes Eis gibt es hier.
Das Melanchthonhaus besuche ich nicht - es herrscht hier ein richtiger Touristenrummel. Immerhin kann ich eine Bildungslücke etwas schliessen, als ich ein paar Infotafeln zu Melanchthon lese. Als ich an der Stiftskirche vorbeilaufe, höre ich plötzlich Orgelmusik. Ich setze mich in die leere Kirche und höre der Organistin eine halbe Stunde bei der Probe zu. Ich bin sehr froh, dass ich heute mehr Zeit für die innere Ruhe hatte. Der Tag hat gut getan.
Ich übernachte im Rest Inn und esse einen Salat aus der nahegelegenen Pizzeria.

 

Länge Auf Ab
12 km 298 Hm 314 Hm

IMG_6047Mühlhausen, 05.09.2019

Als ich aufwache und aus meinem Fenster schaue, bin ich etwas verwundert, dass mehrere Fahrzeuge vom Roten Kreuz auf dem Parkplatz stehen. Ich mache mir schon meine Gedanken über die Ursache und hoffe, dass nichts passiert ist.
Und dann gehe ich zum Frühstück. Das Frühstücksbuffet haut mich echt aus den Socken. Der Hammer! So viel Auswahl - auch für Vegetarier. Ich schlage kräftig zu. Irgendwann kommt der Hotel-Chef, der chic im Anzug zu einem Aussentermin muss. Er sieht mich, grüßt mich freundlich und geht zu einer Angestellten und sagt ihr, dass "der Wanderer" sich gerne vom Büffet bedienen kann. Sie ist offensichtlich ganz in ihrem Element, denn sie bringt mir Papiertüten und fragt, ob sie noch etwas tun/bringen könne. Ich bin wirklich überwältigt von der Freundlichkeit hier im Hotel Leo.
Mit etwas zweifelhaftem Wetter mache ich mich auf den Weg. Die Route ist unspektakulär und für mich zieht es sich wie Kaugummi. Die Füsse tun mir weh. So langsam wäre eine richtige Pause gar nicht schlecht. In Odenheim esse ich einen vegetarischen Döner zu Mittag. Ich weiss wirklich nicht, was ich ohne meine neuen türkischen Freunde tun würde. Es gibt keine Geschäfte und die deutschen Lokale haben alle erst ab Abend geöffnet, oder sind komplett geschlossen.
Ich laufe an vielen Zuckerrübenfeldern vorbei und werde erstmals zum dreisten Zuckerrüben-Dieb. Ich habe noch nie eine Zuckerrübe gegessen, doch dank scharfem Messer schaffe ich, eine Rübe zu schälen und in handliche Stücke zu zerlegen. Sie ist unglaublich saftig und wirklich richtig süß. Ich verstehe gar nicht, warum es Kohlrabi zu kaufen gibt, ich jedoch noch nie Zuckerrübe im Laden gesehen habe. Da kann man sicher auch leckere Dinge draus kochen. Ich habe ein bisschen ein schlechtes Gewissen, weil ich die Rübe auf dem Acker geklaut habe, hoffe jedoch, dass der Bauer mir das nachsehen wird und es verschmerzen kann.
Gochsheim könnte ein ganz nettes Örtchen sein - jedoch führt die Route nicht unbedingt an den schönsten Stellen vorbei, sondern durch eine Art kleines Industriegebiet.
Leider komme ich vor der Öffnungszeit bei der Stadtschänke an, in der ich heute übernachte. Gücklicherweise gibt es jedoch eine Terrasse mit Stühlen, so dass die Wartezeit zwar doof bleibt, ich sie jedoch zumindest halbwegs bequem verbringen kann.
Das Abendessen nehme ich -das erste Mal auf der Wanderung- im Hotel ein. Einzige vegetarische Option sind Käsespätzle und Salat. Diese sind wirklich gut - jeden Tag möchte ich sie allerdings nicht essen müssen.

 

Länge Auf Ab
26.3 km 591 Hm 550 Hm

IMG_6027Ziegelhausen, 04.09.2019

Bei wunderschönem Wetter geht es nach ausgiebigem Frühstück in Ziegelhausen los. Steil geht es hinauf auf den Königstuhl, den ich bereits vom Neckarsteig her kenne. Weiter geht es falbelhaft markiert auf dem Höhenzug des Odenwalds nach Gauangeloch. Hier steht ein mit sehr viel Liebe gestalteter Informations-Kasten zum E1 und zu Thomas Bongarts, der diesen Weg vom Nordkap bis ganz ans Ende in Italien gegangen ist. Seine Webseite mit Tourenbericht (www.e1-traum.de) kenne ich schon, allerdings hatte ich nicht realisiert, dass der E1 durch seinen Heimatort hindurchläuft. Ich lese länger im Tourenbuch und hinterlasse einen Eintrag und bin noch voller Emotionen, als ich weiterlaufe und im Wald von einem Gassi-Gänger angesprochen werde. Wir unterhalten länger über den E1 und den Jakobsweg. Eine schöne Begegnung, die mir Kraft gibt.
Der Rest des Tages vergeht wie im Fluge - zumindest kommt es mir so vor. Ich hänge viel mit meinen Gedanken an den Tourberichten und weiss immer mehr, dass mein E1 länger werden soll als die Strecke Nassau-Pforzheim.
Die Unterquerung der A6 ist etwas abenteuerlich. Aufgrund einer Baustelle ist nicht klar, ob ich die Unterquerung verwenden kann, oder einen Umweg laufen muss. Glücklicherweise klappt es gerade noch so - und falls die Bauarbeiter ein größeres Problem damit haben, dass ich durch ihre Baustelle husche, lassen sie es sich nicht anmerken. Ich winke und grüße freundlich - und bekomme das Echo zurück. Ein, zwei Tage Später wäre hier allerdings kein Durchkommen mehr gewesen.
Ein Bio-Bauernhof hat zur Krönung des Tages in seiner Self-Service-Station selbstgemachtes Eis im Angebot. Nicht das leckerste Eis ever, aber eine angenehme Abwechslung. Vielleicht wäre es dem Geschmack auch zuträglicher gewesen, wenn ich mich erst aus dem Geruchs-Kreis des Bauernhofs entfernt hätte?
Und so wandere ich beschwingt in Mühlhausen ein.
Eine jüngere Wandererin kommt strahlend auf mich zu (- bin ich gar nicht gewöhnt -) und fragt mich, ob ich den Weg kenne. Sie kann gar nicht fassen, dass ich NICHT auf dem Jakobsweg, sondern auf dem E1 unterwegs bin. Offensichtlich durchqueren beide Wege Mühlhausen.
Auf der Suche nach einem Bäcker für den nächsten Tag spreche ich eine Einheimische an. Leider sind die Bäcker im Ortskern geschlossen, vermutlich weil sie den Einkaufsmärkten, die sich an beiden Ortsenden befinden, zum Opfer gefallen sind. Die Einkaufsmärkte liegen leider gar nicht auf meinem Weg und ich habe wirklich keine Lust, noch dorthin zu laufen, da mir die heutige Strecke in den Füßen steckt. Ich bedanke mich artig und gehe Richtung Hotel. Nach 50 Metern ruft die Frau plötzlich nach mir und winkt. Ich wundere mich sehr. Sie bietet mir an mich gerne zu einem der Einkaufsmärkte mitnehmen zu können. Offensichtlich hat sie sich vom ersten Schock, von einem unrasierten Wanderer angesprochen zu werden, erholt. Ich freue mich sehr und sage ihr das auch, lehne aber dennoch ab und gehe zum Hotel Leo. Auch hier ein extrem freundlicher Empfang vom Chef selbst. Als ich ihm sage, dass ich am nächsten Tag weiter nach Gochsheim möchte und nach einem Bäcker frage, sagt er ohne zu zögern, dass ich mich gerne vom Frühstücksbuffet bedienen könne. Einem Wanderer helfe er gerne!

 

Länge Auf Ab
28.3 km 736 Hm 709 Hm

IMG_6011Birkenau, 03.09.2019

Nach dem Frühstück geht es heute zuerst wieder durch den Ortskern von Birkenau mit dem schön gelegenen Schloss. Danach über den Höhenzug des Odenwalds mit sporadischen Blicken in die Rheinebene weiter. Das Gorxheimertal durchschreite ich erlebnisarm. Eine schöne Sinnesbank lädt zur Mittagsrast - und ich nehme die Einladung gerne an. Nach Wilhelmsfeld folgt ein 41 Meter hohes Highlight - der Teltschik-Turm, welchen ich gerne besteige und die Aussicht geniesse.
In Ziegelhausen besuche ich erstmal den EDEKA, denn das Restaurant im Hotel Neckarlux spricht mich nicht ganz so an. Etwas verstörend ist auch, dass man mir ein Zimmer-Upgrade für eine 10-Punkte Bewertung bei Booking.com anbietet. Unglaublich!

 

Länge Auf Ab
28.3 km 780 Hm 818 Hm

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