Hier finden sich die Etappen in umgekehrt chronologischer Reihenfolge.

Einen Überblick über alle Etappen gibt es hier, sowie ein paar Worte zu meiner Motivation.

05017702-2C2D-447C-914E-A34246B8CD48Lugano, 05.07.2021

Ich habe viel schlechter geschlafen, als die Nacht zuvor. Vermutlich fehlte mir einfach die körperliche Anstrengung. Irgendwann halte ich es nicht mehr im Bett aus und gehe mit leichtem Rucksack um kurz nach sieben los. Gefrühstückt habe ich noch nichts - und Wasser muss ich mir auch noch Wasser kaufen, denn meine zweite Flasche wurde freundlicherweise vom Zimmerservice entsorgt, obwohl sie ganz ordentlich auf dem Tisch stand. Heute möchte ich mich (wieder) nicht auf Brunnen verlassen, denn es soll sehr heiss werden und während des Aufstiegs komme ich definitiv an keiner Wasserquelle vorbei.

Bis Paradiso wandere ich der Uferpromenade entlang. Der Name Pardiso kommt nicht von ungefähr.

Ich verlasse kurz den Weg, um durch den „Parco Panoramico Paradiso“ zu gehen. Hier finde ich auch eine sonnige Bank und kann endlich mein in der Paradiso-Migros erstandenes Frühstück verzehren und die Einkäufe ordentlich im Rucksack verstauen.

Nur kurz folgt der Weg den Gleisen der Standseilbahn, offeriert mir vier reife Brombeeren und geht dann in einen ordentlichen Bergweg über. Beim Fernwandern ist die Benutzung der Standseilbahn für mich nicht einmal einen Gedanken wert. Andere, auch im Netz über den E1 schreibende Menschen sehen das anders und benutzen lustig und ohne Not Bus, Bahn, Schiff und Bergbahn. Jeder darf nach seiner Fasson selig werden. Für mich geht das gar nicht und ich halte mich hier an Goethe: „Nur wo du zu Fuß warst, bist du wirklich gewesen“.

Die erste Zeit wandere ich nur stoisch und dennoch den Weg genießend bergan, aber dann folgt ein Aussichtspunkt auf den nächsten und einer ist schöner als der andere. Beim Blick nach Westen habe ich sogar Alpensicht! Das müssen die Walliser Alpen sein. Angeblich ist es die die Dufourspitze, bis zu der ich sehen kann. Und das wäre ja tatsächlich möglich. Und wenn nicht – auch egal! Es ist so grandios schön hier oben!

Oben auf dem Gipfel und dem Aussichtsturm des Monte San Salvatore ist zwar mehr los als auf dem Wanderweg, aber es hält sich zum Glück noch sehr in Grenzen. Neben dem Normalweg und der Seilbahn hätte es übrigens auch noch die Möglichkeit gegeben, über den Arrampicata-Klettersteig (D-Schwierigkeit) aufzusteigen.

Über einen schönen Weg wandere ich hinab nach Carona, welches ich jedoch nur am Rande berühre. Obwohl ich als Kind hier schon Urlaub gemacht habe, weckt dies bei mir keine Erinnerungen. Vorbei am Schwimmbad (reizvoll!) geht es nun in Serpentinen durch den mit vielen Rhododendren bewachsenen Park San Grato. Hier mache ich kurz Pause und genieße den Blick auf den Seedamm von Melide (übrigens schon 1848 gebaut) und Bissone. Von hier oben ist das quasi auch „Swissminiatur“. Gut am (meiner Meinung nach nicht besonders hübschen) Casio erkennbar ist auch die italienische Exklave Campione. Hab‘ ich schon erwähnt wie schön es hier ist?

Danach wandere ich sanft ansteigend den Bergrücken entlang durch den Wald, bis nach einiger Zeit der Abstieg beginnt. Erst wechseln sich Treppchen und Weg ab, danach geht es auf gefühlt unendlich vielen Stufen bis nach Morcote. Dies ist ein Abstieg, der mir in Erinnerung bleibt - und zwar nicht nur wegen der Stufen, sondern wegen des Erlebnisses. Zuerst erhasche ich einen Blick auf den See, dann kann ich Porto Ceresio auf der anderen Seeseite toll in der Sonne liegen sehen. Dort ginge es also weiter. Kurz darauf wird unter mir immer mehr von Morcote sichtbar. Palmen, Steinmauern, Tonziegel - dazu Sonne satt und überall huschen die Eidechsen. Zuerst komme ich an der Kirche Santa Maria mit ihrem fotogenen Glocketurm vorbei, danach geht es weiter steil und durch enge Gässchen hinunter und immer weiter hinunter. Es will kein Ende nehmen. Aber irgendwann ist der See dann doch erreicht. Ich gehe sogleich zur Bootsanlegestelle, denn hiermit ist die Schweiz-Durchquerung auf dem E1 nach 15 Etappen offiziell beendet.

Es kommt grade das Schiff nach Lugano, aber das geht mir dann doch zu schnell - ich möchte noch hier verweilen und es ist ja erst Mittagszeit. Baden kann ich hier vergessen - denn dazu fehlt die Möglichkeit. Habe ich mir das Handtuch also umsonst aus dem Hotel ausgeliehen. Ich entscheide mich, zum Abschluss der Tour hier in einem der Restaurants Mittag zu essen. Ich bekomme zu einem Bier leckere Nudeln und einen Salat. Zurück nach Lugano bringt mich (kostenlos, dank Ticino-Card) der Bus, denn schon das Schiff, das bei meinem Eintreffen abfuhr war gut gefüllt und auch jetzt stehen Menschentrauben am Pier. Ich habe heute schon so viel gesehen - das reicht!

Gut fünf Wochen bin ich jetzt wandernd in der Schweiz unterwegs und habe in 33 Etappen etwas über 700 km (16’500 Hm im Aufstieg und ebensoviele im Abstieg) auf der ViaJacobi und dem E1 zurückgelegt. Mehr als die harten Daten zählen jedoch die unglaublich vielen Eindrücke und Erlebnisse, von denen ich einen Teil in meinen Tagesberichten festgehalten habe. Morgen reise ich zurück (dank der guten COVID-Lage ohne Einschränkungen) - mit einem lachenden und zwei weinenden Augen. (Zyklop?) Wenn die Umstände es erlaubten, würde ich auch morgen weiterwandern….

Ob, wann, wo und wie es weitergehen wird, wird sich zeigen.

Wer dies nicht verpassen und mich weiter begleiten möchte, abonniert am besten gleich meinen Newsletter.

Länge Auf Ab
15.9 km 830 Hm 872 Hm

 

 

DC45B14C-DC21-494B-BB01-781F7461FA47Lugano, 04.07.2021

Heute ist wirklich Ruhetag. Das angepriesene Frühstück war nicht günstig, sondern leider billig. Das tue ich mir die nächsten Tage nicht mehr an. Lieber frühstücke ich gar nichts, als mir das nochmal zu geben.

Danach schlendere ich durch die Stadt und dem See entlang und genieße es. Besonders angetan hat es mir der Monte Bré, wo ich als Kind schon im Urlaub war und natürlich der Monte San Salvatore. Gegen 13 Uhr fängt es wie vorhergesagt an zu tröpfeln, worauf ich zum Hotel zurückkehre. Als ich dort ankomme, wird der Regen stärker. Also genieße ich die Vorzüge eines bequemen Hotelzimmers mit überdachtem Balkon.

Den Monte San Salvatore konnte ich heute schon betrachten - morgen möchte ich ihn auf der letzten schweizer Etappe überschreiten.

 

DF1BB46C-7E2B-44F4-9D9D-2D06B4FF38E1Bellinzona, 03.07.2021

Eine Nacht, wie die letzte kann man sich nicht vorstellen! Gerade habe ich mich zur Ruhe gelegt und bin am Einschlafen, geht das Gehupe los. Stimmt - die Italiener haben ja gespielt. Offensichtlich haben sie gewonnen und da ich hier quasi in Italien bin, darf ich an ihrer Freude teilhaben. Ob ich will, oder nicht. Gegen Mitternacht wird es mir dann doch zu blöde, denn ich will ja auch irgendwann schlafen um für die Tour fit zu werden. Ich schließe das Fenster und stelle den Deckenventilator eine Stufe höher. Dieser hat die Eigenschaft, dass er auch bei höheren Stufen nicht lauter wird. Klar - er verausgabt sich schon in der niedrigsten Stufe. Auf dem iPad suche ich Meditationsmusik zum Einschlafen und stelle diese auf volle Lautstärke. Das vermischt sich mit dem lauten Gehupe des Autocorsos (besonders toll wenn eine Ampel in der Nähe ist...) und dem Geratter des Ventilators zu einem sehr lauten Klangteppich. Und irgendwann schlafe ich ein. Dass ich immer wieder schweißgebadet aufwache, muss ich nicht erwähnen. Es ist richtig warm hier.

Um vier Uhr am Samstag morgen - inzwischen hat das iPad wegen Strommangels das Gedudel eingestellt (und außer der Mikrowellen-Steckdoese, an der meine anderen Geräte laden, konnte ich keine andere Steckdose freimachen) - beginnen zwei Bauarbeiter direkt vor dem Haus mit einer Asphaltsäge die Straße aufzusägen. Ich versuche es nochmal mit der Entspannungsmusik und spiele mit dem Gedanken, jetzt schon aufzubrechen, aber ich fühle mich noch wie ein nasser Waschlappen. Und irgendwann schlafe ich dann doch ein...

Als es Zeit ist, aufzustehen, ist es draußen so ruhig, wie die ganze Nacht nicht. Kaum Verkehr und die Bauarbeiter sind auch weg.

Um kurz nach acht wandere ich los. Zuerst führt mich der Weg aus Bellinzona hinaus und nach Giubiasco. Ein schöner, mediterraner Ort, in dem in den Bars/Restaurants schon einiges los ist. Die meisten Tische sind belegt. Ist das Dolce Vita?

Hier überquere ich (mal wieder eine) Ponte Vecchio aus dem 13. Jahrhunder, die ein wichtiger Teil der Via Francisca (der Pilgerweg nach Rom) war und Bellinzona mit Monte Ceneri verband.

Ein echter Bergweg führt hinauf zur Cima di Centro auf 1005 Metern. Jeder der 780 Höhenmeter will ehrlich und ernsthaft erarbeitet werden. Der Weg macht mir Spaß, obwohl ich das Gefühl habe, nicht richtig in den „Flow“ zu kommen. Oben auf der Passhöhe ist ein großer Waffenplatz, den es zu durchqueren gilt, bevor ich den Abstieg nach Isone starte.

Isone ist ein winziges Dorf mit knapp 400 Einwohnern und hat ausser zwei Restaurants und einer Kirche wenig zu bieten. Selten habe ich eine Kirche gesehen, die innen so dunkel ist - dabei sieht sie von aussen doch hell und freundlich aus. Die andere Hauser sind eine Mischung aus Steinhäusern, allerdings mit Ziegeldächern, und zum Teil sehr farbenfrohen Häusern im mediterranen Stil.

Nun darf ich den nächsten Bergrücken besteigen, um das Vedeggio-Tal über den Gola di Lago (972 m) zu verlassen. Hierbei wandere ich eine ganze Zeit direkt über dem erst letztes Jahr eröffneten Monteceneri-Basistunnel der direkt von Giubiasca (wo ich heute morgen war) nach Vezia bei Lugano führt.

Wie ich nass, dampfend und keuchend den Berg hinaufwandere, verwechseln einige Bremsen mich mit einem Pferd - vielleicht rieche ich auch wie alter Gaul - und meinen, sie dürften mich aussaugen. Manche haben Glück, andere müssen diese Verwechslung mit dem Leben bezahlen.

Oben angekommen mache ich kurz Mittagspause. Heute habe ich auch gar nicht so viel zu Essen dabei.

Hier oben gibt viele Birkenwäldchen, durch die ich wandern darf, bevor sich der Weg in gleicher Höhe den Berg entlang zieht. Plötzlich ist es soweit - und der Luganersee liegt vor mir. Zum Fotografieren ist es zwar etwas trüb – dafür zum Wandern wunderbar. Man kann nicht alles haben.

Der Abstieg erfolgt größtenteils ganz nach meinem Geschmack über felsige, geröllige  Wege. Danach wandere ich durch die schmalen Gässlein von Bigorio und kann schon Tesserete sehen.

Hier endet die heutige Etappe. Da ich im Internet keine gescheite Unterkunft finden konnte, ist jetzt eine Busfahrt nach Lugano vorgesehen, wo ich drei Nächte verbringe. Die kurze Etappe von Tesserete nach Lugano (knapp 10 km / 2,5 Stunden) ist für morgen geplant.

In Anbetracht der Uhrzeit, des Wetters, meiner Verfassung und der schlechten Wettervorhersage für morgen, beschließe ich, diese Etappe heute noch dranzuhängen und ins Hotel nach Lugano zu laufen. Dafür ist dann morgen Entspannung angesagt.

Nachdem der Entschluss gefasst ist, gönne ich mir bei Migros eine eiskalte alkoholfreie Hopfenkaltschale und esse den Rest des Proviants auf, bevor es weiter geht.

Zum Glück hatte ich gesehen, dass es nun nochmal Berg aufgeht und bin nicht überrascht. Ich weiß nicht, woher plötzlich die Energie kommt, aber ich habe richtig Lust noch mal „aufzudrehen“ und meinen Körper zu spüren. Das macht jetzt richtig Spaß, hier schnell bergauf zu gehen.

Ist das ein Traum, auf dem San Bernardo zu stehen und herunter zu schauen. Lugano und der San Salvatoro direkt vor Augen zu haben. Und natürlich die ganzen anderen Orte und Berge. Es ist so phantastisch! Ich bin so froh, dass ich heute noch hier hochgewandert bin.

Ab hier ist auch Schluss mit schönen Wegen - ab Comano ist die Markierung bis hinter Lugano ausgesetzt. Es geht halt irgendwie (zu Fuß!) durch die Stadt. Dennoch genieße ich den Abstieg, denn außer dem allerletzten Stück Weg bleibt es interessant, durch die Straßen und Gassen zu wandern und Häuser und Gärten zu betrachten.

Der Check-in verläuft reibungslos bis auf das WLAN (dafür bin ich jetzt im privaten WLAN mit 150 MBit) und an dem Zimmer ist nichts auszusetzen, außer dass es von der Straße her natürlich laut ist, aber das war sowieso klar. Ich hoffe, die anderen Gäste verhalten sich ordentlich - ich habe nämlich schon sowas wie einen Junggesellenabschied aus dem Hotel kommen gesehen.

Fazit: Das war ein langer, anstrengender, aber besonders schöner Tag. Zum Ausgleich ist morgen Ruhetag.

Länge Auf Ab
31.9 km 1391 Hm 1279 Hm
 

 

2217441B-222E-4D04-A447-3C38855EA965Biasca, 02.07.2021

Die Nacht an der Hauptstraße hätte ruhiger sein können, aber auch schlimmer. Wieso gibt es eigentlich Mopeds? Steht hier der Wunsch nach Fortbewegung und Ruhestörung der Allgemeinheit in einem guten Verhältnis? Ich hoffe, dass sich dies mit zunehmend elektrischen Fahrzeugen bald mal erledigt hat.

Die Frau beim Frühstück ist immer noch genauso grimmig, wie gestern Abend. Es scheint also gar nicht an mir zu liegen, sondern Lebenseinstellung zu sein. Selbst die Gelegenheit, ihre Flunsch hinter einer Maske zu verbergen, nimmt sie nicht wahr. Dies alleine ist schon Grund genug, dieses Hotel/Restaurant zu meiden.

Irgendwie zieht es mich heute gar nicht so richtig hinaus und so ist es viertel vor zehn, bevor ich losgehe. Bei 22° und blauen Himmel gehe ich erst einmal einkaufen, da ich heute unterwegs nichts bekommen werde. Auch Wasser werde ich mehr mitnehmen müssen, da ich zwar am Fluss entlang wandere, aber laut Karte keine Ortschaften berühre.

Der Weg entlang des Ticino entpuppt sich als deutlich abwechslungsreicher und schattiger als befürchtet. Auch hier holt mich die Geschichte ein, denn ich wandere entlang an bombensicheren Geschützständen für Haubitzen mit immerhin 10 km Reichweite, die schon aus dem Ende des 19. Jahrhundert stammen (damals natürlich noch nicht mit Haubitze, sondern mit 12 mm Kanone).

Eigentlich sollte man meinen, es gäbe nichts einfacheres, als an einem Fluss entlang zu wandern. Ich schaffe es dennoch, eine Abzweigung nach rechts zu verpassen und wundere mich nur dass mein Weg immer schmaler und schmaler wird. Irgendwann meint Else von Komoot, dass die Tour neben mir läge. Oh! Wie ich halt so bin, gehe ich dennnoch weiter, um dann an einer Fußeinmündung zu akzeptieren, dass es kein Durchkommen gibt. So darf ich dieses besonders schöne Wegstück zweimal genießen.

Dieser von der Seite einmündende Fluss bietet an der Brücke eine wunderbare Badestelle. (Wegen Badenixe lieber kein Foto…) Da es noch über 4 Stunden nach Bellinzona sind, ist mir das aber noch viel zu früh.

Ich wechsle auf die andere Seite des Ticino und nun geht es auf der Rückseite von kleineren und mittleren Industriebetrieben entlang, die vermutlich schon von der Vorderseite nicht wirklich sehenswert sind. Zum Glück endet das nach einiger Zeit und der Weg geht schön wie vorher weiter.

Auf Höhe von Claro (also nach gut 16 km) komme ich an meinen perfekten Rastplatz. Ein Brunnen und zwei Bänke im Halbschatten. Perfekt! Ich lasse mir Hummus, Karotten und Brötchen munden und genieße die Pause.

Je weiter ich mich Bellinzona nähere, desto sanfter und vollständiger bewaldet sind die Berghänge. Schroffen Fels sieht man hier nur, wenn sich der Mensch am Berg vergangen hat (z.B. Steinbruch).

Das Kieswerk darf ich in „Vollschutz“(Maske, Brille, Hut) passieren, da hier enorm Staub aufgewirbelt wird - in der Zentralschweiz hat man da Wasser gesprengt - hier scheint das nicht nötig. Den Gehörschutz nehme ich dann nächstes Mal wohl auch noch mit - die Steinbrecher machen nämlich nicht nur Staub, sondern auch ganz schön Lärm.

Plötzlich soll der Weg wegen Bauarbeiten gesperrt sein. Na toll! Eine richtige Umleitung ist nicht beschildert nur für Radfahrer zeigt ein Schild nach links. Die Gegend lässt sowieso gerade zu wünschen übrig, denn ich befinde mich im Industriegebiet. Jetzt auch noch eine Umleitung zu gehen, habe ich ja gar keine Lust. Also mal schauen, wie gesperrt das wirklich ist. Nach ein paar hundert Metern steht ein Auto auf dem Weg (nicht das auf dem Foto). Ein Bauarbeiter steckt den Kopf in ein tiefes Loch – ein anderer schaut dabei zu. Meine in perfektem italienisch vorgetragen und durch wildes Fingerzeigen unterstützte Frage „possibile passare“ wird mit einem „si si“ beantwortet. Ich glaube er sagt noch was von vorsichtig sein, aber da bin ich schon weiter.

Bald darauf erreiche ich die vom großen San Bernardino kommende Moesa in den Ticino. Eigentlich wäre das doch die ideale Badestelle. Hier sind auch noch andere Menschen im Wasser. Gut bis zur Mitte ist das Wasser nur wadentief, danach geht es mir bis zu den Oberschenkeln und strömt deutlich. Ich werfe mich drei, vier Mal komplett rein und lasse mich jeweils ein paar Meter abtreiben. Es ist sehr erfrischend. Brrr! Mangels besserem Equipment funktioniere ich meinen einzigen Baumwollgegenstand, meine Schlafshort, zum Handtuch um. So kann ich zumindest halbwegs trocken und sandfrei in die Unterhose und die Socken einsteigen. Die andere Klamotten sind eh schweißnass. Ich hoffe, die Leute, die mich vom anderen Ufer aus beobachtet haben, hatten genauso viel Spaß, wie ich. Das war schön!

Direkt an der Mündung in den Ticino ist richtig viel los. Hier gibt es sogar eine Würstchenbude, einen Parkplatz und viele Einheimische, die sich am „Strand“ sonnen. Zwischen den ganzen Leuten mit Badesachen falle ich doch etwas auf und werde skeptisch beäugt, denn natürlich muss ich direkt bis an die Mündung vorgehen. Ein Mann, der offensichtlich nicht weiß wie ein Selfie funktioniert, und denkt, ich habe den Pizzo Claro aufgenommen (und nicht mich), spricht mich an. Zum Glück kann er deutsch und so unterhalten wir uns kurz.

Offiziell habe ich jetzt die Stadtgrenze von Bellinzona erreicht, aber das heißt noch nicht viel, denn die Stadt zieht sich über einige Kilometer.

Mit den Augen erkunde ich die linke Talseite, aber noch erschließt sich mir nicht, wo ich dort morgen in Richtung Lugano rüber soll.

Das mitten in der Stadt auf einem Felsrücken ruhende Castelgrande thront über dem Rest der Stadt. Gemeinsam mit zwei weitere Burgen sind sie UNESCO Weltkulturerbe und prägen das Stadtbild ungemein. Obwohl es mir für heute eigentlich reicht, muss ich da doch noch hoch. Ganz nach oben komme ich leider nicht mehr, denn es ist schon nach 17:00 Uhr, also steige ich auf der anderen Seite in die Altstadt ab. Die engen Gässlein haben ein ganz besonderes Flair. Richtig schön!

So - mir reicht es für heute - ich will Schatten und Ruhe.

Das Haus, in dem ich mein Zimmer gebucht habe, liegt in einem Wohnblock an der zweispurigen Ausfallstrasse. Der Check-In gestaltet sich interessant. Am Briefkasten sind Post-It‘s mit Namen und Zimmernummern. Meiner ist nicht dabei. Also rufe ich an und gleich drauf kommt ein Mann um die Ecke. In seinem kleinen Büchlein stehe ich nicht - aber er hat trotzdem ein Zimmer für mich. Alles ein bisschen seltsam. Zimmer mit Stahltür und 70-cm-Balkon, aber mit Wäschehänger, hatte ich noch nie. Und es gibt es einen Kühlschrank mit Scheiblettenkäse und Toastbrot, sowie eine Flasche Lidl-Wasser auf‘s Haus. Danke, aber Nein danke. Sogar eine Mikrowelle ist vorhanden. Eigentlich ist es für mich als Wanderer das ideale Quartier. Sogar eine Pizzeria gibt es im Haus und einen Coop in 300 Metern Entfernung.

Bleibt nur das komische Gefühl, wegen des recht seltsamen Typs, der fehlenden Reservierung und der z.T. sehr schlechten Bewertungen bei booking.

Während in den nahegelegenen Restaurants gut hörbar das Schweiz-Spiel verfolgt wird, lasse ich den Abend ruhig ausklingen. Die Hitze hat mich trotz Erfrischung in der Moesa ziemlich fertig gemacht. Morgen wartet eine knackige Tour über zwei Hügel, um auf die Luganer Seite zu kommen. Ich freu‘ mich!

Länge Auf Ab
28.5 km 97 Hm 181 Hm
 

 

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