Hier finden sich die Etappen in umgekehrt chronologischer Reihenfolge.

Einen Überblick über alle Etappen gibt es hier, sowie ein paar Worte zu meiner Motivation.

IMG_8420Idstein, 14.11.2020

Als der Wecker heute morgen um kurz vor 6 Uhr klingelt, klammert sich das Bett fest an mich. Es kostet einiges an Überwindung, um auszustehen.
Heute möchte ich den Lückenschluss vollziehen und die schon gewanderten E1-Etappen nördlich meines Zuhauses mit den bereits gewanderten südlichen Etappen verbinden.
Der Plan ist, zum Sonnenaufgang in Idstein zu starten und dann zur Hohemark in Oberusel zu wandern - vorbei am Feldberg den ich jede Woche mehrfach besteige, da er direkt vor meiner Haustüre liegt.
Als ich in Idstein loswandere, straht der Himmel in prächtigen Farben. Das Aufstehen hat sich gelohnt! Durch die schöne Altstadt hindurch geht es durch das noch verschlafene Städtchen hinaus in die Natur. Es ist ein buntes Farbenspiel mit den verschiedensten Gelb- und Brauntönen des Herbstes. Ich habe den Wald für mich alleine.
Am Alteburger Markt mit den alten Linden vorbei geht es nach Schloßborn und weiter nach Glashütten, wo ich Mittag mache. Hier besorge ich mir vorsorglich einmal ein Stück Kuchen und plane, diesen auf dem Altkönig zu essen. Mir graut schon vor dem dem Anstieg vor dem Roten Kreuz, denn dies ist der steilste und langweiligste Weg, den ich im Taunus kenne. Komischerweise geht es heute recht gut und ich bin schneller oben, als gedacht.
Auf dem Feldberg ist wie oft die Hölle los, obwohl es trüb und lange nicht so warm wie vorhergesagt ist. Ich modifiziere die E1-Route minimal, um mindestens noch ein Foto des Altkönig zu machen, denn von der normalen Route sieht man ihn überhaupt nicht. Ausserdem werde ich so nicht von den Touris totgetreten. Um den Feldberg herum verlaufen E1 und E3, der von Portugal zum Schwarzen Meer führt, vereint.
Ich wandere am Fuchstanz vorbei und arbeite mich den Altkönig hinauf. Auf dem Gipfelplateau, welches bewaldet ist und und kaum Aussicht bietet, ist sehr viel los. Ich verkneife mir eine Pause und steige zwei Minuten vom Gipfel hinab und lasse mich an einem wunderbaren Platz auf dem oberen keltischen Ringwall mit hervorragendem Blick über den Vordertaunus nieder. Ich freue mich über die Ruhe, geniesse den Kuchen und meinen warmen Tee. Das Leben ist schön!
Jetzt sind es noch sieben Kilometer abwärts bis zur Hohemark.
Der Weg führt vorbei an riesigen abgeholzten Flächen und hohen Poltern. Aufgrund der zu trockenen Sommer und des daraus resultierenden Käferbefalls müssen große Fichtenbestände geschlagen werden. Über weite Strecken hat man nun freie Sicht in Richtung Frankfurt. Es ist so traurig.
Um 16 Uhr komme ich - um den Wald trauernd - an der Hohemark an, wo mich meine Frau abholt.
Mit der heutigen Etappe habe ich nun eine durchgehende E1-Verbindung von Bad Laasphe bis Pforzheim hergestellt.


Länge Auf Ab
33.6 km 931 Hm 921 Hm

IMG_7743Lahnhof, 04.07.2020

Heute geht es erst spät los, da es erst ab 8:30 Frühstück gibt. Es ist unglaublich, was da auf jedem Tisch aufgebaut wurde. Quasi jeder Tisch sein kleines Buffet. Es ist nicht nur viel, sondern auch noch gut. Neben den Körnerbrötchen besonders hervorzuheben ist das selbstgemachte Hummus, Tomate/Mozarella-Schälchen, frisch geschnittenes Obst und ein Schälchen Erdbeeren, und und und...
Und weil ich mich gestern beim Abendessen als vegetarisch bekannt habe, war das Frühstück auch so. Nur die kurze Rückfrage nach Milch und Ei, und schon war alles klar. 
Der Wirt erzählt mir, dass auf der normalen (nicht-Corona) Karte 40% vegetarische und z.T. vegane Gerichte sind. Und es wird auch angenommen!
Es ist kühl (11 Grad), so dass ich die ersten Minuten tatsächlich mit Pulli laufe, bevor ich auf Betriebstemperatur bin. Ein wunderschöner Pfad senkt sich in ein Tälchen. Ich erreiche nach wenigen Kilometern die Ilsequelle. Das Wasser muss gut sein, denn ein Mann füllt sich 2 Kisten Glasflaschen ab. Offensichtlich nicht zum ersten Mal. Auch ich trinke einen Becher von dem sehr kühlen Nass. Es schmeckt nicht schlecht, aber ich bin zu wenig Aqua-Sommelier, um in Verzückung zu geraten. 
Die Genusswanderung entlang der Ilse geht weiter, vorbei an zwei kleinen Schafherden und ein paar Kühen. 
Nach etwa zehn Kilometern verlässt der Weg das Tal und ich steige kurz, aber sehr knackig auf den Hügel, der uns von Bad Laasphe trennt. Ich mache eine kleine Pause und beobachte meine Beine. Tatsächlich läuft auch heute (wie praktisch jeden Tag) wieder eine Zecke die Wade entlang. Ich setze sie am Wegesrand ab - bin doch kein Taxi - und wandere weiter. 
Vorbei am Großgemeinde-Stein, der beim Zusammenschluss von 24 Gemeinden zu „Bad Laasphe“ errichtet wurde, wandere ich auf breitem, dennoch schönem Weg ins Ziel. Die knapp 20km fühlen sich heute nach Halbtagswanderung an. Ich erreiche den Bahnhof kurz vor 14 Uhr und bereite mich mental auf meine vielstündige Rückfahrt mit 4 Umstiegen bis nach Oberursel vor. Dies ist das Ende meiner diesjährigen E1-Wanderung. Und der neue Startpunkt für die Nordrichtung. Es gibt ja noch ein paar Etappen bis Flensburg. 😀

Länge Auf Ab
19 km 221 Hm 511 Hm

IMG_7701Siegen, 03.07.2020

Die gestrige Tour war doch anstrengend und hat mich die Nacht über nicht richtig zur Ruhe kommen lassen. Heute wäre ich reif für einen Ruhetag. Da ein Knie schmerzt, welches gestern schon einen Sprung von einer steilen Böschung nicht so toll fand, werde ich heute vielleicht mal die Stöcke auspacken.
Das Frühstück im Hotel Bürger verläuft ungewohnt: Buffet mit Bedienung. Die Bedienung ist sehr nett und das Buffet ist reichhaltig.
Über viele Treppen geht es durch Wohngebiete, vorbei an einigen Pracht- und Protzbauten hinauf auf den Giersberg und weiter zum Kirschberg. Hier habe ich erstmals einen Blick auf große Teile von Siegen. 
Am „Hasenbahnhof“ genieße ich den Weitblick und frage mich, was man geraucht haben muss, um auf solch einen Namen zu kommen. Langsam und schön senkt sich der Weg nach Deutz. Klingt wie Köln - ist es aber nicht. 
Ausser einer Walzengiesserei und einem großen Altersheim hat der 2000-Seelen Ort anscheinend nichts zu bieten. Denke ich - als ich die Bäckerei sehe. Da es echt kühl ist, setze ich mich hinein, trinke einen heißen Kakao und esse mein Brötchen. 
Nun geht es bergan. Ich wandere wieder vereint mit dem Rothaarweg über den Höhenrücken und geniesse den Weg und den Ausblick, man nach links, mal nach rechts. Es ist absolut ruhig. Menschen sind sowieso keine unterwegs, ich höre weder Straßen, noch Flugzeuge. Vereinzelt zwitschert ein Vögelein. Kurz vor Erreichen des höchsten Punkts, bricht die Sonne kurz durch die dichten, dunklen Wolken und mir wird klar, wie traumhaft schön es hier sein kann. Ich genieße es zwar auch so, aber es ist doch so kühl, dass ich am Hemd immer mal wieder die Ärmel runtermachen muss. Eine längere Pause ist gar nicht drin. 
Ich bin schon recht früh am Forsthaus Lahnquelle. Die Quelle selbst liegt unspektakulär im algenüberwachsenen Löschwasserteich. Nicht einmal eine richtige Tafel sehe ich. Für eine Quelle eines fast 250km langen Flusses schon etwas traurig. Ich entscheide mich gegen ein Stück Kuchen und bitte den Gastwirt, wie angeboten, die Sauna anzuwerfen. So komme ich heute doch noch zu meinem Wellness- und Entspannungstag.

Länge Auf Ab
22.3 km 602 Hm 243 Hm

IMG_7678Herdorf, 02.07.2020

Heute ist also Siegen angesagt 😉
Auch wenn die mintgrüne Keramik im Haus Schneider nicht mehr ganz in die Zeit passt, habe ich hier eine sehr gute Nacht verbracht.
Das Frühstück ist reichlich, leider mit hellen Aufbackbrötchen, auf die ich so gar nicht stehe.
In der Nacht hat es geregnet. Der Blick aus dem Fenster zum Hügel, den ich gleich besteigen darf, zeigt mir einen strahlend blauen Himmel und einen dürren, toten Wald. Auch ein Bild der Trauer bietet die Hauptstraße, in der sich ein geschlossenes Geschäft an das andere reiht. 
Der Hügel wird durch ein schönes Weglein bestiegen. So habe ich mir das gewünscht! Vorbei an riesigen abgeholzten Flächen geht es weiter zum Druidenstein, einem riesigen Basaltkegel. Polizeilich verboten ist die Besteigung, was mir den Kampf mit dem schlüpfrigen Gestein erspart. (Bis auf halbe Höhe führt nämlich noch ein passabler Pfad. Verboten kann das auch nicht sein, denn „bestiegen“ ist ein Berg ja nur, wenn man auf dem Gipfel war und wieder ins Tal kommt. Base-Camp reicht nicht!)
Auf dem Weg treffe ich eine Frau, die in südlicher Richtung unterwegs ist. Sie ist auf Kurzarbeit und Stewardess bei der Lufthansa. Und weil die diesen Monat gar keinen Einsatz hat, ist sie halt auf dem E1 unterwegs. Sie hat nichts vorgeplant und zur Not ein Zelt dabei, mit dem sie aber nicht wild zelten möchte. Ich wünsche ihr, dass sie bei der dünnen Infrastruktur (Pensionen/Zeltplätze) gut klar kommt. Ich habe mir durch Vorbuchung aller Etappen die Flexibilität genommen, dafür kann ich tagsüber entspannt laufen, weil ich weiss, wo mein Bett steht. 
Ich wandere beschwingt auf breiten Wegen weiter und steige nach Kirchen (Mühle) ab. Die ganze Zeit ist der Himmel schon dunkler geworden - nun fallen die ersten Tropfen. Ich verschmähe ein Buswartehäuschen direkt an der vielbefahrenen Landstrasse und gehe an ihr entlang (zum Glück mit Trottoir) weiter nach Freusburg. Es geht sehr steil hoch zur Burg. Wenige hundert Meter vor der Burg ist ein Museum und eine Bushaltestelle. Hier bietet mir ein Carport-ähnlicher Unterstand Schutz vor dem inzwischen starken Regen. Es hat richtig zugezogen und sieht nicht nach kurzfristiger Besserung aus.
Echte Experten habe die Wartebänke außerhalb des Unterstands aufgestellt (und leider auch angeschraubt). Egal - Hauptsache trocken. Muss ja nicht auch noch bequem sein.
Dem Regen zusehend verspeise ich meine Käsebrötchen. Völlig überraschend hört der Regen schon bald auf, so dass ich doch noch den Abstecher zur Burg hinauf mache. Obwohl laut meinem Track der E1 dort gar nicht entlangführt, sind dort Markierungen und sogar eine E1-Tafel. Verwundert folge ich diesen Markierungen, doch bald ist keine mehr da. Nur ein Weg, der offensichtlich in die falsche Richtung führt, aber mit dem Andreaskreuz markiert ist. Na toll! Nach einem Blick auf die Karte entscheide ich mich, dem „Natursteig Sieg“ zu folgen, der, hoffentlich topografisch optimiert, später wieder auf den E1 trifft. 
Es geht mörderisch steil hinauf durch den vor sich hin tropfenden Wald - richtiges Waschküchenklima. So komme ich am Gedenkstein „Soldatengräber“ vorbei und stehe bald auf dem Giebelberg, dem zweiten Höhepunkt der heutigen Etappe. Da längere Passagen durch regennasses Gras führten, habe ich nun nasse Füße. Gore-Tex scheint wohl nur noch bei trockenem Wetter zu funktionieren? Irgendwie wünsche ich mir gerade meine schweren Voll-Leder Schuhe. Gut eingefettet haben die so etwas immer locker weggesteckt. 
Die Strecke zieht sich. Irgendwann kommt ich an einen schönen Aussichtspunkt auf das Siegtal und die Siegerlandbrücke, sowie dem markanten Hardt-Turm. Lustigerweise steht dort gerade eine einheimische Familie, die mir das alles erklären kann. Einige Kilometer weiter höre ich schon die A45, die ich dann auch unterquere. Ich besteige den „Starker Buberg“ - der letzte Anstieg für heute und freue mich an dem Graffito am Wasserhaus und der bequemen Bank daneben. 
Der Einmarsch nach Siegen fühlt sich komisch an. Den ganzen Tag Natur pur und dann plötzlich Großstadt. Das Schloss wird leider gerade renoviert - die Fußgängerzone finde ich wenig sehenswert. Nun noch zum Hotel in dieser hügeligen Stadt. Ich sehne mich nach Dusche und Schuhe ausziehen. Die heutige Etappe war zwar wirklich schön und abwechslungsreich, aber die Höhenmeter und die Länge stecken mir in den Knochen. Ich mache mir eine mentale Notiz, Ruhetage alle 7-10 Tage einzuplanen, wenn ich mal länger unterwegs sein werde. Im Hotel "Bürger" in welchem ich mich gleich wohl fühle, gibt es, soweit ich gesehen habe, ein Bistro, wonach mir jedoch nicht der Sinn steht.
Auf dem Weg zu ALDI sehe ich zum Glück noch eine kleine Pizzeria, die ich auf Google übersehen hatte. So bekomme ich doch noch ein warmes Abendessen.

Länge Auf Ab
33.3 km 938 Hm 926 Hm

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