BBDC7FBF-CCEB-4A82-9D40-4A7701EA2081Hurden, 22.06.2021

Etwas müde bin ich heute, obwohl so zwischen Mitternacht und 4:30 Uhr gar keine Züge fuhren und das Bett gar nicht unbequem war.
Der Sturm gestern Abend tobte noch eine Weile vor sich hin und zog dann über uns hinweg. Dabei gab es nur ganz wenig Regen. Die Servicekraft beim Frühstück meinte, solche Stürme seien nicht sehr selten - so viel tote Insekten wie gestern gäbe es jedoch selten. Sie hat zwar draußen schon wieder alles auf Vordermann gebracht, aber alle Fensterscheiben sind immer noch mit Leichen gepflastert.
Das Frühstücksbüffet ist überschaubar und leider gibt es kein gescheites Brot. Dafür Obst, Haferflocken und frische gemachte Eierspeisen. (Im Gegensatz zum „The Chedi Andermatt“ Luxushotel wo man für die Nacht gerne einen vierstelligen Betrag latzen darf, ist die hier in den 13 Franken für das Frühstück schon mit dabei.)
Das Wetter ist etwas unklar. Grauer Himmel mit dunkelgrauen Wolken und leichter Wind. Heute packe ich die Regensachen ganz nach oben in den Rucksack. Und ob ich den direkten Weg nach Einsiedeln gehe, oder den längeren, alten und angeblich schöneren Weg (über das Stöcklichrüz - 1246 m) , entscheide ich am Etelpass.
In der Apotheke kaufe ich eine (bzw. zwei) Mini-Tuben Zahnpasta. Nach Sonnencreme ist Zahnpasta das zweite Verbrauchsmaterial, was mir ausgeht. Ich würde das gar nicht erwähnen, aber ich fand spannend, dass man sich hier (nach Registrierung beim Kanton) in der Apotheke impfen lassen kann. Übrigens mit Moderna. Gegen FSME impft die Apotheke übrigens auch.
Der Weg den Etzel hinauf gefällt mir gut. Wurzelig, mit ein paar Stufen und zunehmend durch die ruhige, friedliche Natur. Es fängt kurz an zu tröpfeln - hört aber gleich wieder auf. Insgesamt versprechen die Wolken am Himmel wenig Gutes. Unterwegs komme ich an der Unterstandshütte Gruebi vorbei. Schön gebaut und super in Schuss gehalten. Ich versuche mich daran, das Gedicht zu verstehen und verewige mich im Hüttenbuch.
Zwei Stunden nach Start erreiche ich den Pass mit Kapelle und Gasthaus St. Meinrad. (Auf den heiligen Meinrad geht übrigens Einsiedeln zurück). Kurz unterhalb der Passhöhe, konnte ich neben Panzersperren auch noch einen Bunker nebst Infotafel „bewundern“. Von einer Reduit-Nordfront hatte ich noch nie gehört und bin dankbar für die vielen friedlichen Jahre, in denen ich leben durfte. Möge das so bleiben!
(Wer Gänsehaut braucht, der lese mal den Artikel „Schweizer Réduit“ bei Wiki - hochinteressant!)
Gerade entscheide ich mich, den kurzen Weg zu gehen und das Stöcklichrüz auszulassen (macht bei dem Wetter keinen Sinn) und besichtige die Kapelle, als es anfängt, zu regnen.
Auch nach einer Viertelstunde in der Kapelle, in der ich ihre Geschichte ausreichend studiert habe, ist es draußen kühl und regnet ausgiebig. Ich beschließe, nun doch meine Regensachen anzuziehen und weiterzuwandern.
Vorbei am Geburtsort von Parcelsus wandere ich über die Tüfelsbrugg - einem beachtlichen Bauwerk mit Ursprüngen im 12. Jahrhundert, das über die Siehl führt. Gerade als ich sie überqueren möchte, kommt ein fetter Maserati angefahren, den ich gerne vorlasse. Er tastet sich mehr hinüber - es ist so eng, dass die Parksensoren ansprechen. Ein Karren mit vierbeinigem Esel, wofür die Brücke mal gebaut wurde, hätte da weniger Probleme.
Über Wiesen und Weiden geht es auf den nächsten Hügel. Ich versuche, mich mit meinem Poncho und Regenhose nicht zu schnell zu bewegen - bin aber dennoch pitschnass geschwitzt. Einmal muss ich über eine Weide mit Kühen, die heute anders reagieren, als sonst - oder ist das Einbildung? Besonders seltsam ist ein Rindvieh ohne Euter. Mit meinem roten Poncho hat das sowas von Torero. In respektvoller Distanz und den Fluchtweg im Blick erreiche ich heil das nächste Drehkreuz und bin erleichtert.
Nachdem ich eine gute Stunde durch den Regen getapst bin, hört er auf und der Himmel vor mir wird freundlicher. Von den Hügeln und Bergen ist dennoch nicht viel zu sehen. Ein Blick zurück, wo ich den Etzel wähne, offenbart nur dunkelgraue Wolken. Oh weia. Ich bin froh, dass ich mich für die kurze Strecke entschieden habe - das war vernünftig.
Der Siehlsee mit dem Steg, den ich gerne überquert hätte, kommt in Sicht und unweit daneben Einsiedeln. Da will ich hin.
Als ich in Einsiedeln die Klosteranlage erreiche, erschlägt sie mich durch ihre schiere Größe. Obwohl ich schon einmal hier war! Die Ställe, die angeblich sehenswert sind, sind wegen COVID gesperrt. Der riesige Platz vor dem Kloster wird und wurde gerade neu gepflastert. Ich betrete die Klosterkirche und komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ich bin tief beeindruckt, aber diese Pracht zu beschreiben, ist mir einfach unmöglich. (Fotografieren ist leider verboten)
Da ich ziemlich nass bin und mir auch kalt wird, suche ich das Hotel auf.
Ich bin heute total geschafft - ich verstehe gar nicht, warum. Also Ruhe ich mich nach dem Duschen/Wäschewaschen erstmal aus.
Ich spiele sogar kurz mit dem Gedanken, die (kostenpflichtige) Sauna aufzusuchen, aber als ich interessehalber mal nachfrage, sagt man mir, dass diese gerade von einer Gruppe Frauen gebucht sei. Seltsam! Da ich sowieso unschlüssig bin, lasse ich das auf sich beruhen, aber ein seltsames Gefühl bleibt zurück. Seit wann kann man den Wellnessbereich eines Hotels exklusiv buchen? Dafür, dass Einsiedeln DER Wallfahrtsort der Schweiz ist, werde ich, als ich mit Rucksack, Poncho und Wanderschuhen ins Hotel einlaufe, eher distanziert behandelt. Anders gesagt: der Respekt und die Anerkennung, hier (vielleicht) einen echten Pilger/Wallfahrer vor sich zu haben, wird gut verborgen. Das war in Fischingen und fast allen bisherigen Unterkünften anders. (Da hatte es auch nicht geregnet)
In einer Regenpause schlendere ich nochmal durch die Stadt - allzu groß wird die Runde nicht, da es wieder weiterregnen möchte.

Länge Auf Ab
13.7 km 679 Hm 184 Hm


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