IMG_5989Reichenbach (Lautertal), 02.09.2019

Das war keine gute Nacht. Da denkt man, dass es in dem beschaulichen Reichenbach nacht ruhig ist. Weit gefehlt. Da es so unglaublich heiss ist, musste ich das Fenster geöffnet lassen und habe wegen der Autos auf der Hauptstrasse bis nach 1 Uhr kein Auge zugemacht. Danach wurde es ruhiger, bis um 4 Uhr gefühlt direkt vor meinem Bett der Lastwagen der benachbarten Metzgerei Rollwagen ein- und ausgeladen hat. Gerädert gehe ich zum Frühstück, welches etwa 150m entfernt im Gasthaus angeboten wird. Heute ist dort auch die nette Wirtin, die auch von anderen E1-Wanderern erzählt, von denen wohl in der Wanderzeit fast jede Woche einer vorbeikommt. Da es in Reichenbach wenig Alternativen gibt, wird sie einen guten Teil der E1-Wanderer (ohne Zelt) beherbergen. Explizit erwähnte sie die beiden Frauen, die auch das m.E. lesenswerte Buch "Walking North - Zwei Frauen. Ein Traum. Ein Ziel" geschrieben haben.

Die Wanderung geht heute - endlich in der Ruhe der Natur angekommen - ohne Berührung von Ortschaften und ohne nennenswerte Straßenquerungen bis nach Birkenau. Kurz vor Erreichen des Dorfes lege ich mich auf eine frisch gemähte Wiese in den Schatten eines Baumes und schlafe tatsächlich ein. Die letzte Nacht hat mich echt geschafft.

Das Hotel 3 Birken mit gleichnamigem Restaurant empfängt mich mit 70-er Jahre Flair. Grüne Waschbecken kenne ich aus meiner Kindheit und dorthin möchte ich sie eigentlich auch verbannen. Da das Restaurant ein paar Sterne zu viel besitzt und aufgrund der Platzierung im Gault&Millau und Via Michelin sehr gehobene Küche (und Ambiente) anbietet, gehe ich am Abend nochmal zurück in den Ortskern, um einen leckeren Salat und eine Teigtasche zu essen.

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Länge Auf Ab
24.4 km 600 Hm 685 Hm

IMG_5975Darmstadt-Oberwaldhaus, 01.09.2019

So ein "ibis-budget"-Hotel und Wandern passen irgendwie nicht so richtig zusammen, auch wenn ich die Nacht recht gut geschlafen habe. Von dem Frühstück erwarte ich wenig und bin sehr positiv überrascht. Ich hatte mit abgepackten Keksen und etwas Kaffee gerechnet - jedoch nicht mit einem solch guten Buffet. Der Tag fängt gut an. 

Mit dem Bus fahre ich wieder nach Oberwaldhaus (dank Job-Ticket kostenlos) und wandere an den Aussengrenzen von Darmstadt entlang der Uni, dem Botanischen Garten und des Zoos. In Ober-Ramstadt ist auch ein Strassenfest, jedoch zieht es mich weiter in den Wald und die Natur. Am späten Nachmittag erreiche ich die Kuralpe und dann das Felsenmeer, welches ich von früheren Besuchen gut kenne und welches bei dem tollen Wetter gut besucht ist.

Im Gästehaus "Am Nibelungensteig" checke ich ein und nach einer erfrischenden Dusche bevorzuge ich den Döner-Laden, in dem es frischen Salat gibt. Als lokale Besonderheit gibt es hier Kochkäse-Döner. Zumindest in der vegetarischen Variante kann mich das nicht wirklich überzeugen.

 

Länge Auf Ab
31.1 km 652 Hm 619 Hm

IMG_5934F-Sachsenhausen, 31.08.2019

Nach kurzer Wanderpause geht es nun 8 Tage Richtung Süden nach Pforzheim. Mehr als eine Woche Urlaub ist nicht drin. Aus der Stadt hinauszuwandern ist ein seltsames und seltenes Gefühl. Es ist laut - überall sind Autos oder sonst die Flugzeuge zu hören. In der Gegend von Langen muss ich vom Weg auf die Strasse ausweichen, da hier immer noch die Schäden des letzten schlimmen Sturms zu sehen sind. Über eine Woche waren hier Strassen gesperrt. Wenn ich sehe, was hier im Wald immer noch liegt, wird mir klar, warum.

In Dreieichenhain überquere ich den 50. Breitengrad und gönne mir so weit im Süden gleich mal ein Eis. Langsam wird es etwas stiller und ich fange an, mich an der Natur zu freuen, jedoch ist das nicht von langer Dauer, denn schon etwa 5 Kilometer vor Oberwaldhaus meine ich, rhythmische Bässe zu hören. Tatsächlich ist dort eine Grossveranstaltung zu der Menschenmassen strömen. Ich bin froh, nach einer (zu) langen Etappe dort anzukommen und kann einen Bus in die Innenstadt grade noch mit einem Sprint über die Strasse erwischen.

Im Zentrum von Darmstadt ist auch ein Strassenfest, jedoch sind meine Füße zu müde, um noch viel davon mitzunehmen.

 

Länge Auf Ab
33.5 km 323 Hm 273 Hm

IMG_5889Aarbergen-Kettenbach, 12.08.2019

Die Nacht ist nicht so ruhig wie erhofft, da der Gasthof an der Strasse liegt. Die Gastwirtin ist auch nirgends zu finden, so dass wir einfach so gehen und ihr stattdessen einen Spruch auf dem Anrufbeantworter hinterlassen, wo sie den Schlüssel findet. Bei ihr war die Bezahlung per Überweisung überhaupt kein Problem.

Frühstück gibt es im Gasthof keines, was vermutlich auch besser so ist, denn in dem REWE-Bäcker, der nur etwa einen Kilometer entfernt direkt am Weg liegt, lassen wir es uns richtig gut gehen. Die Füße sind noch etwas schwer vom gestrigen Tag, aber es hilft ja nichts. Wir verlassen also Kettenbach und tauchen in den Taunus ein. Fast 15 Kilometer können wir hier mit nur einer einzigen Strassenüberquerung und Dorfberührung laufen - so wenig besiedelt ist die Gegend hier. Hier sagen sich wirklich Fuchs und Hase gute Nacht. Es ist früher Nachmittag, als wir in Idstein mit seiner schönen Altstadt einlaufen. Nicht ganz geschmeidig, aber den Weg in ein Eiscafé schaffen wir schon noch. Eine etwas inkompetente und nicht sonderlich freundliche Bedienung schafft es nicht, zwei Eisbecher zeitgleich zu servieren - lecker sind sie dennoch. Schön war er, der Auftakt zur Südrichtung des E1. Schon in knapp 3 Wochen soll es dann von Frankfurt-Sachsenhausen weitergehen. Die beiden übersprungenen Heimatetappen (Idstein->Oberursel->Sachsenhausen) bin ich schon mehrfach gelaufen, werde diese aber auch nochmal "ordentlich" als E1-Wanderung absolvieren, nur halt nicht mehr vorher.

 

Länge Auf Ab
21.3 km 514 Hm 472 Hm

IMG_5882Laurenburg, 11.08.2019

Nach einer ruhigen Nacht starten wir zur längsten Etappe der drei Tage. 28 km und über 800 Höhenmeter sind geplant. Das Wetter ist immer noch phantastisch. Recht bald verlassen wir das Lahntal und wandern hinauf nach Schönborn, dem "eigentlichen" Ende des Etappen-Vorschlags 8.01. Im Wald geniessen wir die frischen Heidelbeeren, die den recht eintönigen Weg aufpeppen. Schon bei der Planung dieser Etappe zeigte sich die Herausforderung mit den Unterkünften. Es gibt einfach keine. So hatte ich (widerwillig) für den heutigen Tag eine Busfahrt von Kettenbach nach Bad Schwalbach vorgesehen, um überhaupt noch eine Unterkunft zu bekommen. Als wir uns dem Tagesziel nähern und die Füße immer schwerer werden, stossen wir auf ein Schild im Wald, welches auf "Landgasthof Becker's Rose" hinweist - die einzige Unterkunft, die aber laut Google-Kommentar geschlossen sein soll. Da wir nichts zu verlieren haben, rufe ich die Mobil-Nummer an und...... niemand nimmt ab. Dafür kommt nach wenigen Minuten der Rückruf und es stellt sich heraus, dass nur das Restaurant geschlossen ist, für Handwerker und zur Not auch Wanderer eine Übernachtung jedoch möglich sei. Schnell sagen wir zu und können 10 Minuten vor der Stornierungsfrist noch das Hotel in Bad Schwalbach stornieren. (Tut mir nicht leid - war mit HRS gebucht und teuer). Der Landgasthof verdient den Namen nicht und es ist etwas "spooky" und auch bei dem Zimmer muss man beide Augen zudrücken. Für uns ist's in Ordnung denn wir wollen nur noch eine Dusche und ein Bett - und noch etwas essen. Im Ort gibt es zwar kein Restaurant, aber die nette Wirtin hat den Flyer eines Pizza-Service - und das ist genau nach unserem Geschmack. So sinken wir glücklich, sauber, satt und K.O. in das Bett.

 

Länge Auf Ab
32.8 km 1057 Hm 888 Hm

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