Längenbühl, 10.06.2021C8224446-3007-4CBF-89A8-EF0AC25246E9

Die Nacht im Landgasthof Grizzlybär verlief ohne Bärengebrüll. Morgens um vier Uhr quakten die Frösche im Dittligsee, aber zum Glück nicht sehr laut, sondern eher beruhigend. Das Frühstück war super! Croissants und kleine Brötchen, sowie ein paar frische Erdbeeren, Trauben, Birne, Pfefferminze und Gurke, sowie etwas Gruyere (und es hätte sogar Schinken gegeben, wenn ich diesen nicht abbestellt hätte). Alles Tipp-Topp. Der Blick aus dem Fenster: unbeschreiblich! Die nahen Berge sind wolkenlos. Deutlich erkennbar das Stockhorn. Vor dem Niesen leichte Wölkchen.

Ob des späten Frühstücks ist es neun Uhr, als ich mich vom super-netten Grizzly-Inhaber(?) verabschiede.

Wie gerne würde ich die Bergkette besteigen! Aber das ist auf dieser Tour unmöglich. (Ich hab‘ das sogar gecheckt. Selbst kein Schnee mehr läge - es geht einfach nicht. Jeder Gipfel/Grat ist für sich schon eine saftige Bergtour).

In Blumenstein zeigen die Wegweiser nicht nur auf die Gipfel, sondern auch mir meinen Weg entlang des Fallbachs. Wohl aufgrund der Niederschläge führt dieser sehr viel Wasser.

Auf dem Hügel dahinter kommt dann das „ganz große Kino“! Etwas diesig zwar, so dass es nicht für ein iPhone-Foto taugt, aber dennoch deutlich zu sehen: Eiger, Mönch, Jungfrau. Wow! Zum Glück ist hier der Weg geteert, so dass ich mich gefahrlos während des Gehens sattsehen kann.

An einem SB-Bauernkühlschrank erstehe ich ein Stück Alpengreyerzer, womit das Znüni (gemeinsam mit einem Brötchen aus Blumenstein) auch gesichert ist. Es ist so schön - ich kann mir grade kaum was Schöneres vorstellen.

Bald darauf öffnet sich der Blick nach Thun und den Thunersee. Dahinter die bekannten Bergriesen.

Vorbei am idyllischen Übeschisee geht es durch militärisches Sperrgebiet, auf dem auch mit schwerem Geschütz geballert wird, nach Amsoldingen. Hier wird gerade von zwei Arbeitern der Straßenrand freigeschnitten und damit auch jede Menge Staub und Dreck aufgewirbelt. Sie hören zwar auf, als ich komme, aber selten war ich so froh, eine FFP2-Maske griffbereit zu haben!

Die schon vor dem Jahre 1000 gebaute Kirche in Amsoldingen beeindruckt auch mich. Durch die dicken Mauern ist es im schlichten Gebäude überraschend kühl. Das Friedhofs-WC spendet das heute besonders wichtige Wasser.

Inzwischen bilden sich immer mehr Quellwolken, was bei der Sonneneinstrahlung nicht überrascht. Leider verdecken diese immer mehr den Blick auf die hohen Gipfel. Die Wolken sind zwar schon mehrstöckig, stoßen aber noch nicht an der Stratosphäre an. Das könnte am Nachmittag trotzdem noch ein Gewitter geben.

Ich führe ein kurzes Gespräch mit einem Pilger, der von Rohrschach nach Lausanne  pilgert. Obwohl er gleich lang wie ich unterwegs ist, hatte er schon mehrere Regentage und freut sich nun auch über das super Wetter.

Nun steil bergab, unter der Autobahn hindurch und auf der anderen Seite wieder steil auf einen Aussichtspunkt. I love it! Super Blick auf Thun, den See und die gegenüberliegenden Orte. Mit Phantasie kann ich sogar Interlaken erahnen. Gut sichtbar auch das Niederhorn mit seinem Funkturm. Wenn morgen auch nur halbwegs klares Wetter ist, werde ich definitiv mit dem Schiff übersetzen (und nicht mit der Bahn). Da ich nun schon beim weithin sichtbar auf dem Hügel liegenden Strättlingturm aus dem 13. Jahrhundert bin, gönne ich mir auch noch die letzten (beleuchten) Stufen und umrunde ihn. Die massive Tür bleibt verschlossen und die ganze Aktion bringt ausser Fitness leider gar nix.

Gut, dass ich ein Znüni hatte, denn sonst wüsste ich nicht, wo mein Magen hängen würde. Zum Glück habe ich auch noch einen Apfel. Eine Einkaufsgelegenheit wäre jetzt mal fällig.

Gut gesichert geht es entlang der Kander die sich mächtig, milchig-grau und laut tosend in den Thunersee ergießt.

Ich erreiche die schlichte Kirche in Einigen und mache auf dem Kirchhof direkt am See -unweit der Bootsanlegestelle und direkt neben einem Wasserhahn - in aller Stille Pause. Keine Einkaufsgelegenheit und kein Restaurant weit und breit. Noch gut 5 km bis Spiez.

Ein letzter Anstieg, vorbei an einer Wiese, die gerade gemäht wird und über der mindestens zehn Raubvögel kreisen. Ich hätte wegen der V-förmigen Schwanzform auf einen Milan getippt. Sicher bin ich nicht. Mit Vögeln kenne ich mich wie mit Bäumen leider nicht so gut aus. Geier, die auf meinen baldigen Hungertod warten, sind es jedenfalls nicht.

Das letzte Stück nach Spiez ist nochmal ein richtig schöner Weg - auch auf den Spiezberg. Die Stadt liegt unter mir - der Hunger treibt mich allerdings erst mal direkt Richtung Bahnhof, denn das sehenswerte Schloss, zu dem der offizielle Weg führt, läuft schon seit ein paar Jahrhunderten nicht weg.

Als ich mich mit meinem Salat und Brot endlich niederlasse ist es fast hab vier! Für morgen schaue ich genauer in die Karte und muss definitiv mehr Wasser mitnehmen, da  meiner Meinung nach gar keine Kirchen/Friedhöfe am Weg liegen und es viel durch die Natur geht.  Und mit Micropur möchte ich echt nicht anfangen. (Außerdem braucht das auch 2 Stunden, bevor es richtig sicher ist). Heute hingegen kam ich wieder problemlos mit 100% „externem Wasser“ klar.

Das Schloss ist eingerüst und daher etwas unfotogen. Zudem finder eine Diensthundeausbildung der Militärpolizei statt, die aber nicht beeinträchtigen soll. Ich sehe auch nur uniformierte Zweibeiner. Als nächstes wandere ich hinunter zum Hafen. Fühlt sich richtig mediterran an. Und jetzt weiß ich, wo morgen mein Schiff fährt. In der nicht so weiten Ferne ertönt Donnergrollen. Ich schaue, dass ich jetzt ins Hotel einchecke.

Nun noch schnell was für heute Abend und für morgen zum Frühstück besorgen, denn in einem Hotel, wo das Frühstück 24 Franken kosten soll, finde ich ganz bestimmt nichts, was ich bezahlen möchte. Mit einem Pfund Cocktailtaten und etwas Brot/Käse fühle ich mich durchaus gut bedient.

Da es immer noch nicht regnet, nehme ich den Welcome-Drink gerne auf der Rooftop-Bar. Ohne schlechtes Gewissen.

Fazit:

  1. Die Berge werden immer beeindruckender.
  2. Es gibt wirklich Orte am See, ohne jegliche Einkaufsmöglichkeit. Die Leute müssen hier von Luft, Liebe und der schönen Aussicht leben.

 

 

 

Länge Auf Ab
21.2 km 332 Hm 382 Hm

 


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