814B8A4D-068D-43B4-B9EF-066B2A2BD0EBAlleman, 03.06.2021

Pünktlich um kurz nach acht ;-) wandere ich auch heute los. Nach einer zu großen Portion Haferflocken mit Hafermilch und einigen Weintrauben bin ich pappsatt. Der Himmel ist bedeckt und es ist 17° schwül. Auf nach Lausanne!
Von Dorf zu Dorf bringt mich der Weg durch die Schweizer Riviera näher an mein Tagesziel. Ganz schön schön hier, auch wenn es heute so trüb ist, dass man die andere Seeseite und die Berge nur erahnen kann.
Vor Morges biegt der Weg urplötzlich steil hinab zu einem Bach, dem ich ein Stück auf dem „Sentier de la Truite“ (Forellenweg) folgen darf. Dieser extra Kilometer, bringt mir mehr Kraft, als er kostet. Das ist das Natur-Highlight des Tages!
Ich wandere vorbei an den Anlegeplätzen mit den immer größer werdenden Booten zur Strandpromenade mit Schloss und altem Casino von Morges. Alles ist hier super sauber und gepflegt.
In einem Vogelschutzgebiet steht eine Bank direkt am See. Ich nutze den traumhaften Platz für mein Mittagessen. Dieses besteht aus einem Rest Hafermilch, einem Reststück Brot, einem Reststück Karotte und etwas Gruyere. Jetzt kann mein Rucksack kaum mehr leichter werden.
In St. Sulpice freue ich mich erneut über die vielen, sauberen öffentlichen Toiletten und fülle meine Wasserflasche nach. Von hier aus habe ich erstmals Sicht auf Lausanne.
Was mir wirklich auffällt, ist, dass von Genf bis hierher wirklich (fast) alle Leute nett grüßen. Sogar Radfahrer!
Wenig später erreiche ich die super gepflegten Strände mit angrenzendem Park von Lausanne. Hier ist schon richtig was los! Und mir tun meine Füße weh. Wieder sehr viel Teer heute. Ich muss mich recht bald von den Badenixen trennen, da der Wanderweg schon recht früh in die Stadt abbiegt. Den angeblich sehenswerten Hafen Ouchy muss ich wohl später noch besuchen gehen.
Hinweisschilder machen mich auf ein altes Mosaik aus dem 1. Jahrhundert aufmerksam. Ich schaue dieses an und wandere durch die Mauerreste aus gallorömischer Zeit. Ich weiß, dass ich ignorant bin, aber so alte Steine können mich echt nicht begeistern. Zum Glück gibt es auch eine Schautafel, die darstellt, wie Lousonna im 1.-4. Jahrhundert ausgesehen haben soll und dies auch auf deutsch beschreibt. Das finde ich interessant.
Durch einen schönen Park geht es hinauf in die am Hang liegende Stadt. Inzwischen brutzelt die Sonne ganz schön (24 Grad) und mir läuft die Brühe….
Ich erreiche den „Place de l‘Europe“, an dem sich das Ibis Styles befinden soll und bin richtig geflasht. Auf verschiedenen Ebenen tummeln sich Unmengen an Menschen. Ich irre eine Weile orientierungslos mit Google Maps umher und sehe es endlich!
Beim Check-In geht das Staunen weiter. Ich habe ein Mini-Zimmer mit Graffiti dekoriert (von berühmtem Street-Art-Artist) und eine im Zimmer eingebaute Nasszelle. Die Nische mit dem Waschbecken ist so schmal, dass ich mir nicht einmal mein verschwitztes Gesicht richtig waschen kann, weil die Schultern zu breit sind, um mit dem Kopf über das Waschbeckchen zu gelangen. Dafür gibt es einen Schminkspiegel, eine Nespresso-Maschine und 3 Kondome. Genau das, was der Wanderer braucht! Der Rezeptionist wollte mir auch unbedingt noch erklären, welche tollen Vergünstigungen ich ab 23 Uhr in den umliegenden Clubs erhalte und wie ich nach Mitternacht wieder reinkomme.
Die ÖPNV-Fahrkarte werde ich noch eher zum Einsatz bringen.
Aber erstmal eine Wäscheleine spannen, die Socken waschen und dann kurz die Beine hochlegen….
Die berühmte Kathedrale finde ich problemlos. Zwei Organisten spielen ein paar Stücke an - vermutlich die Vorbesprechung eines Gottesdienstes - und ich genieße den vollen Klang der riesigen Orgel, der nun durch das gotische Kirchenschiff erklingt.
Den Plan, mir noch den Hafen anzuschauen verwerfe ich, als ich sehe, wie viele Menschen in die Busse und Metro strömen. Und zwei mal gut zwei Kilometer sind mir jetzt echt zu weit! Also schlendere ich noch etwas durch die Altstadt und durch die Restaurantmeile. Hier reiht sich Restaurant an Restaurant an Shisha-Restaurant. Alles ist voll - das blühende Leben. Hier gibt es kein COVID! Ich gehe bei der Migros für morgen einkaufen. Genug für heute!
Als ich beim Hotel ankomme, nutze nun doch noch den Gutschein für ein Gratisgetränk in einer schattigen Ecke im Straßenlärm - die Dachterrasse ist, soweit ich das sehe, schon bumsvoll. Mit einem kleinen Hellen vom Fass läuft der Tagesbericht gleich noch flüssiger. (Gab leider kein alkoholfreies - und ich spüre es schon).
Fazit:
-Augen auf bei der Hotelwahl. Es gibt mehr Kriterien, als die Zimmerausstattung.
-Auch bei bedecktem Wetter Sonnencreme nicht vergessen.

Länge Auf Ab
25.4 km 193 Hm 114 Hm

 

5EC2CEFA-6BFD-4E58-B9F1-8C80F4C9E174Nyon, 02.06.2021

Gestern Abend überraschte mich noch ein Gewitter und ich musste die zum Trocknen auf dem Balkon hängende Wäsche schnell in Sicherheit bringen. Ansonsten verlief die Nacht ruhig und ereignislos. Das Frühstück ist einfach - kommt mir aber sehr entgegen. Müsli, Joghurt und frisches Brot mit Frischkäse sollte mir mehr Energie bringen, als das Croissant und die Scheibe Toast von gestern.
Ob der Wettervorhersage und des grauen Himmels packe ich die Regensachen weiter nach oben in den Rucksack und wandere wieder um kurz nach acht los.
Das Schloss in Pangrins beeindruckt mich nicht zuletzt durch den riesigen, gepflegten Garten.
Mit 16 Grad ist es heute deutlich kühler - dafür aber schwül. Die dunklen Wolken lassen hier und da Sonnenstrahlen durchscheinen, was für extrem stimmungsvolle Aussichten sorgt.
Am Strandbad von Promenthoux sind die Frühschwimmer aktiv. Bei 15,8 Grad Luft- und 14,8 Grad Wassertemperatur definitiv nichts für mich!
Warum es jetzt anfangen muss zu tröpfeln, ist mir unklar. Sicherheitshalber hole ich meinen Poncho heraus und mache diesen einsatzbereit. Da ich diesen seit dem Jakobsweg im Jahre 2012 nicht mehr verwendet habe, darf ich die Technik neu erlernen. Der Trick besteht ja darin, den Poncho so über dem Rucksack zu drapieren, dass man diesen aufsetzen und danach den Poncho über den Kopf ziehen kann. Und wenn es aufhört zu regnen, kann man den Poncho wieder nach hinten werfen. Ich denke, ich werde das bald wieder beherrschen. Nach 5 Minuten hört das Getröpfel auch schon wieder auf.
Nach einem schönen Naturschutz-Waldstück befinde ich mich nach einer Straßenunterquerung auf dem „Sentier des Toblerones“ entlang des Flüsschens Promenthouse. Was süß klingt, hat einen bitterem Hintergrund. Gemeint ist keine Schokolade, sondern die Toblerone-ähnlichen Panzersperren, die hier 1940 als Teil der Promenthouse-Verteidigungslinie gebaut wurden, als Hitler-Deutschland im 2. Weltkrieg begann, neutrale Staaten anzugreifen. Dicht an dicht reihen sich 3000 solcher „Tobleronen“ über 10 km vom Fuss des Jura bis an den Genfersee.
Bald erreiche ich das Industriegebiet von Gland - und wundere mich über die Raffel-Fassade des großen RZ-Betreibers SafeHost. Bei einem portugiesischen Frucht(groß)handel erwerbe ich eine Nektarine und einen Pfirsich. :-) Lecker!
Abwechslungsreich führt mich der Weg nun nach Rolly. Hier gesellen sich normale Wohnhäuser zu Prachtvillen mit fantastischem Blick auf den Genfersee und das Alpenpanorama.
Ich erreiche Bursinel und freue mich darüber, dass es Menschen gibt, die (echte) Pilger unterstützen und ihnen eine Ruhebank und Erfrischung/Obst anbiete. In der Kirche lese ich die Einträge im Pilgerbuch. Tatsächlich gab es schon im Februar/März Pilger, die als Ziel Santiago angegeben haben. Die meisten pilgern jedoch vom Bodensee (Rohrschach) nach Genf. Heute sind mir vermutlich mindestens 2 Paare und 2 Einzelpilger begegnet. Ich vermute das aufgrund der „Ausrüstung“ - richtig sicher bin ich mir nicht, da niemand eine Jakobsmuschel trug.
Interessant ist auch ein Brunnen, der sowohl Trinkwasser wie auch Nicht-Trinkwasser speit.
Ich erreiche Rolle und der Regen, der mich seit Bursinel begleitet, lässt nach. Die Schultern sind nass - der Rest ist trocken geblieben. Ob ich den Poncho vielleicht hätte neu imprägnieren müssen?
Das „Cap Breton“, wo ich aufgrund meiner Internet-Recherche einen herzhaften Crêpe zu Mittag essen wollte, ist leider voll und wegen Covid möchte ich mich auch an keinen Tisch dazusetzen.
Eigentlich habe ich noch ein Stück Brot dabei, sehe aber keine Hoffnung einen überdachten Picknickplatz zu finden (es nieselt nämlich immer noch leicht). Bei einem Döner kann ich überdacht draußen sitzen und eine Kleinigkeit essen. Tut das gut, die Füße mal ausstrecken zu können!
Der Weg zieht sich nun durch die Weinberge und trotz des trüben Wetters ist es schön. Man kann jedoch weder Genf (ca. 35 km) noch Lausanne (ca. 25 km) deutlich erkennen.
In Allaman residiere ich im Schloss. Im Hof befindet sich ein Weinausschank. Ich kann zum Glück auch schon vor 16 Uhr einchecken. Das Zimmer hat nicht nur WLAN mit 208 MBit(!), sondern auch eine Küchenzeile, so dass ich dankend das Frühstücksangebot (für schlappe 14 Franken) ablehne und mich gleich auf den Weg zum Coop mache. Dank Mikrowelle gibt es heute sogar ein warmes Abendessen. (Das argentinische Fleischrestaurant hat es mir sowieso nicht angetan und zudem heute Ruhetag)
Fazit:
Regen ist nass - trotzdem kann es schön sein.
An manchen Tobleronen kann man sich bitter die Zähne ausbeißen.

Länge Auf Ab
24.7 km 222 Hm 242 Hm

 

7EB5217C-31CE-409B-B6AB-02AF4847EC34Chavannes-de-Bogis, 01.06.2021

Das Hotel der letzten Nacht war echt der Hammer! Im positiven Sinne. Ich habe nichts gefunden, was ich auszusetzen gehabt hätte. Sogar schnelles WLAN. 60 MBit laut meiner Messung. Und das in einem ländlichen Ort mit gerade mal tausend Einwohnern. Alles war super stylisch und dennoch praktisch eingerichtet. Das Frühstück war qualitativ hochwertig, allerdings für Wanderer etwas spärlich. Soweit ich das gelernt habe, ist das für frankophone Regionen eher üblich.
Als ich um kurz nach acht loswandere brennt die Sonne schon wieder vom wolkenlosen Himmel.
Der Blick auf den immerhin zweithöchsten Berg des Schweizer Jura „La Dôle“, den man gut an der Radarstation erkennt, entschädigt für den langweiligen Betonplatten-Feldweg. Heute ist auch der Rucksack etwas leichter, denn es steht ja nur eine Halbtagswanderung auf dem Programm.
Eine wenig befahrene Straße führt mich unter der Autobahn hindurch und als Allee (Schatten!) zum Château de Bossey. Keine Ahnung, warum das Château heißt. Für mich gibt es hier nichts Sehenswertes. Bald darauf öffnet sich der Blick in Richtung Genfersee und die Alpenkulisse dahinter. An den schneebedeckten Gipfelriesen kann ich mich einfach nicht satt sehen, auch wenn ich deren Namen meist nicht kenne.
Eine kurze, schön Waldpassage mit Bachquerung bringt mich in das nächste Dörflein. Ein Schluck Wasser aus dem Brunnen (Eau potable) - und schon geht es weiter.
Ich muss schmunzeln, als ich in Céligny den Straßennamen „rue des belles filles“ lese. Das waren andere Zeiten!
Entlang einer Straße wachsen eine ganze Reihe chinesischer Blauglockenbäume, die schon fast ausgeblüht haben und immer noch einen betörenden Duft verströmen. Wenn man hier morgens 5 Minuten auf den Bus warten muss, kann man sich das Parfum sparen. Man merkt die deutlich südlichere Lage im Vergleich zum Hochtaunus, wo vor 2 Wochen noch Frostnächte vorkamen.
Im Schatten mache ich kurz darauf eine längere Pause und nehme ein zweites Frühstück ein. Es ergibt auch keinen Sinn, viel zu früh in Nyon anzukommen. Hierbei informiere ich mich auch über den reichlich verwirrenden Grenzverlauf der Kantonsgrenze mit den Genfer Enklaven. Ab jetzt bin ich also definitiv im Kanton Waadt.
Als ich wenig später die Teerstraße verlassen darf und der Weg durch den Wald führt, höre ich plötzlich laute und seltsame Geräusche. Erst denke ich an Enten und gehe dem Geräusch nach. Ich stoße auf einem schilfbewachsenen Tümpel - die Quelle des ohrenbetäubenden Froschgequakes. So habe ich das noch nie erlebt!
Nyon erreiche ich schon kurz vor Mittag. Da ich (dank zweitem Frühstück) noch keinen Hunger habe, gehe ich erst einmal zum Schloss mit der tollen Aussicht, die auch ganz viele der Schüler/Studenten zu schätzen wissen und hier ihre Mittagspause verbringen. Durch die Altstadt schlendere ich bergab zur Schiffsanlegestelle, wo ich glücklicherweise einen schattigen Platz unter einer Platane finde, die Schuhe ausziehe und es mir bequem mache.
Nachdem ich genug rumgelegen bin, esse ich im Migros-Restaurant eine Kleinigkeit und kaufe auch gleich für den Abend ein, damit ich später nicht mehr los muss. Das einfache Restaurant direkt bei der Unterkunft hat nämlich am Dienstag Ruhetag. Auf dem Weg zum Hostel sehe ich, dass es noch einen Bio-Laden und einen Döner in Laufnähe gegeben hätte. Aber jetzt ist es auch gut, wie es ist. Im Hostel warte ich auf der beschatteten Terrasse, bis es 16:30 Uhr ist und die Rezeption öffnet.
Nachdem ich in meiner “Suite” im Hostel Nyon eingecheckt und mich und meine Klamotten gewaschen habe, lasse ich es mir auf meinem Privatbalkon gut gehen.
Fazit: Die heutige Etappe war etwas kurz und zu etwa 90% geteert. Das super gute Wetter hat dies zu einem schönen, entspannten Tag gemacht.. 

Länge Auf Ab
15.5 km 95 Hm 153 Hm

 

C9A281D6-0FAD-4E3C-AC04-53D4FCF83A70Genf, 31.05.2021

Die letzte Nacht verlief deutlich ruhiger und auch an das Frühstück habe ich mich inzwischen gewöhnt. Auch wenn das Stück Käse nicht groß ist, handelt es sich doch zumindest um 27 g leckeren Gruyere. Je mehr ich darüber nachdenke, desto besser gefällt mir das im Vergleich zu unbegrenzt viel Analog- oder Billigkäse auf irgendeinem Frühstücksbuffet.
Kurz nach 8:00 Uhr wandere ich los und schon an der Seepromenade muss ich den Pulli ausziehen und Sonnencreme auftragen. Ich mag das schmierige Gefühl (müsste ich Textur sagen?) von Sonnencreme zwar nicht, aber Sonnenbrand kann ich noch weniger gebrauchen.
Bald darauf verlasse ich das Seeufer und an riesigen Gebäude der Welthandelsorganisation (WTO) auch den offiziellen Weg. Ich finde es reizvoller, durch den botanischen Garten zu wandern, als direkt entlang der Hauptstraße.
Vorbei an der italienischen Botschaft und einer Vielzahl riesiger UN-Bauten und -Baustellen zieht sich der Weg schweißtreibend den Hang hinauf ins kleine Örtchen Pregny. Hier hätte es sogar nochmal Trinkwasser aus dem Brunnen gegeben. Heute verlasse ich zwei Mal den Jakobsweg zugunsten des Alpenpanorama-Wegs. Dieser Ist zwar etwas länger, verläuft jedoch angeblich landschaftlich interessanter (schöner Blick ins Jura) und definitiv günstiger zu meiner heutigen Unterkunft in Chamanne-de-Bogis. Die erste „Schleife“ des Alpenpanorama-Wegs hätte ich mir jedoch schenken können, denn ein paar hundert schöne Meter durch den Wald werden durch eine laute Passage entlang der Autobahn zunichte gemacht.
In Genthod geniesse ich die Alpensicht. Der Montblanc hängt etwas in den Wolken, aber sich darüber zu beklagen wäre Jammern auf zu hohem Niveau.
Ein paar Kilometer später fallen mir verschiedene 5er-Gruppen Jugendlicher auf, die mit Karten durch die Gegend wandern, allerdings nicht immer den gleichen Weg wie ich. Es ist so lustig, als ich bei einer Umleitung wieder auf ein Grüppchen treffe: Die Jungs brüten noch schimpfend über der Karte, während die beiden Mädels den „alten unrasierten Mann“ (mich) ansprechen und fragen, ob ich ihnen auf der Karte zeigen könne, wo wir gerade seien. Zum Glück sprachen sie gut Englisch und alle seien wegen eines internationalen Wandertags unterwegs. Witzig!
Inzwischen haben ich alles städtische hinter mir gelassen und geniesse den Wald. Als ich bemerke, dass wenige Meter neben dem offiziellen Wanderweg (breiter Forstweg) auch noch ein schmaler Pfad direkt an der Versoix entlang führt, greife ich routenoptimierend ein. Es ist so traumhaft! Nur noch Vogelgezwitscher und das Rauschen der Versoix die mit überraschend starker Strömung vor sich hinmäandert. Wenig später finde ich sogar eine ziemlich alte Bank - seit ich die Stadt verlassen habe gab es nämlich keine mehr - und mache nach knapp 20km Mittag. Das Brot und der Käse schmecken hier nochmal so gut.
Weiter geht es noch ein gutes Stück, bevor ich traurig von der Versoix Abschied nehme. Weiter geht es auf einem geteerten Radweg, dann direkt auf eine vielbefahrene Strasse ohne Fussweg oder Seitenstreifen. Immerhin gibt es auch keine Leitplanke, so dass man sich einfach ins hohe Gras retten kann, wenn es mal wieder zu eng wird. Da der Weg echt doof ist, suche ich mir eine Alternative, die mich direkt ins Manor-Shopping-Center bringt. Hier kaufe ich für den Abend ein, denn mein Hotel hat heute Ruhetag. Kurze Verwirrung, weil ich mit einem alten Hunderter zahlen will, der seit April 2021 nicht mehr genommen wird. Im Hotel (Auberge Le Relais, Chavannes-le-Bogis) bin ich ihn anstandslos losgeworden. Der Herr schaute sogar komisch, weil ich gefragt hatte. Kann aber auch an meinem eingerosteten Französisch gelegen haben.
Fazit der heutigen Etappe:
-Die Geldausgeber der Staaten wissen, wo es schön ist und setzen ihre Gebäude dorthin.
-Top-Highlight der Wanderung ist das Stück entlang der Versoix. Hier lohnt es, den markierten Hauptweg zu verlassen.
-Die Sonne hat Kraft! Habe 3 Liter Wasser getrunken und fühle mich dennoch „erhitzt“.


Länge Auf Ab
27.5 km 267 Hm 168 Hm

 

EC38CD17-4849-4758-8C56-FDCE06B189F6Genf, 30.05.2021

Die letzte Nacht war etwas unruhig. Zwar isolierte das Fenster ziemlich gut gegen den Straßenlärm, aber die „Verkehrsgeräusche“ aus dem Nachbarzimmer zur Linken waren mindestens genauso störend, wie die Unterhaltung aus dem Zimmer zur Rechten. Ich öffnete also das Fenster, um dies zu übertönen und konnte dennoch ewig nicht schlafen.
Das Frühstück besteht aus abgepackten Brötchen/Croissants, Marmelade und einem kleinen, eingeschweißten Stück Käse, sowie einem Erdbeerjoghurt. Für eine zuckerarme Ernährung ist es nur bedingt geeignet.
Ich benutze den Zug und Bus und fahre nach Charrot - dem letzten Ort vor der Grenze. Strahlender Sonnenschein und ein blauer Himmel begrüßen mich. Nie hätte ich gedacht, dass ich gleich heute meine langen Hosenbeine abzippen werde und Sonnenbrille und Sonnencreme benötige.
Ich gehe zur Grenze nach Frankreich, wo man sich per Schild ordentlich von den Jakobswegpilgern verabschiedet und beginne meinen Weg durch die Schweiz entgegen der vorgesehenen Pilgerrichtung. Nach der Nacht in Genf wirkt die Ruhe - vom lauten Vogelgezwitscher mal abgesehen - noch beruhigender.
In der Kirche im nächsten Ort, in dem richtige Pilger ihren Stempel abholen würden, halte ich einen Moment inne.
Jetzt geht es auf einen schönen Pfad durch die Natur bevor nach wenigen Kilometern die Ausläufer von Genf erreicht sind. In Serves mache ich Pause. Eigentlich ist es noch viel zu früh, aber ich möchte die Sonne und Ruhe noch etwas genießen.
Obwohl die Besiedlung dichter wird, ist der Weg so gelegt, dass dies erträglich bleibt. Die Markierung ist phantastisch - kein einziges Mal habe ich bisher das GPS verwenden müssen.
Ich überquere die Arve und wenig später nähere ich mich dem Herzen von Genf. Im „Parc de Bastion“ befindet sich sowohl das Denkmal für die Gründung des Roten Kreuz wie auch das monumentale Reformationsdenkmal. Ich lese etwas über dessen Entstehung und wandere weiter in die Altstadt. Hierher hat mich meine Erkundungstour schon gestern gebracht, jedoch wirken die Kirchen und die anderen historischen Gebäude bei dem heutigen Traumwetter weniger trist.
Nach einer Siesta ziehe ich nochmal ganz ohne Ballast durch die Straßen - es ist einfach wunderbar!

Länge Auf Ab
10.9 km 55 Hm 147 Hm

0616360F-0375-4CF2-92B1-FA80760B4D0EBasel, 29.05.2021

10:03 Basel SBB - Bitte einsteigen!! Jetzt geht es los.
Ich fahre mit dem Zug über Biel nach Genf. Vor mir liegen gut fünf Wanderwochen. Eine Kombination von vier Wochen Kurz-Sabbatical mit zwei Wochen Urlaub machen dies möglich. Heute ist Anreisetag - ab morgen wird gewandert. Die Vorhersage für die nächste Woche prognostiziert trockenes, sonniges Wetter mit Höchstwerten in den Zwanzigern. Besser geht‘s nicht!
Der Check-in im bahnhofsnah gelegenen Hotel Terminus verläuft reibungslos. Ohne Ballast starte ich also meinen Stadtrundgang. In einem libanesischen Restaurant mit Straßentischen bekomme ich ein leckeres Falafel-Sandwich und genieße es, nach einer gefühlten Ewigkeit mal wieder draußen essen zu können.
An der Wasserkante angekommen, genieße ich die Aussicht. Einfach phantastisch. Berge, See und Sonne!
Vor dem Bürositz des UN-Generalsekretärs für Menschenrechte findet eine Demo mit vielen algerischen Flaggen statt. Ich halte etwas Abstand und flaniere weiter.
Mit einer gelben Mouette (heißt eigentlich Möwe, meint aber ein kleines Fährschiff) setze ich vom Port Noir de Châteaubriand auf die andere Seeseite über. Dank inklusivem ÖPNV-Ticket bei Hotelübernachtung sogar kostenlos.
An den Stränden ist einiges los, wenn auch nur wenige Kinder im Wasser spielen. Ich erreiche den kleinen Englischen Garten mit der berühmten Blumenuhr, die an die Uhrmachertradition von Genf erinnert, als aus den dunklen Wolken ein leichter Niesel startet. Und das, obwohl die Wetter-App dies verneint. An Luxus-Einkaufsgeschäften aller (mir) bekannter Marken vorbei schlendere ich bergauf in die Altstadt. Schmale historische Gässlein zeigen die völlig andere Seite von Genf. Auch an dem Wohnhaus von Calvin (Nicht Calvin Klein, sondern dem Reformator Johannes Calvin) führt mich mein Weg vorbei. Die Kathedrale Saint-Pierre ist glücklicherweise geöffnet, so dass ich einen Blick hinein werfen kann.
In einem COOP erwerbe ich etwas Wasser (Durst!!!) und etwas Proviant für das morgige Mittagessen, sowie eine Kleinigkeit für den Abend. Auf einer bequemen Parkbank mit Blick auf die beeindruckende Wasserfontäne „Jet d‘Eau“ lasse ich die Eindrücke auf mich wirken.

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